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Interview : Brüderle: Wohneigentum stärker berücksichtigen

  • Aktualisiert am

Gegen die Rentenreform der Regierung: Rainer Brüderle Bild: dpa

Die FDP will die Rentenreform der Regierung nicht mittragen. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle fordert im FAZ.NET-Interview, dass Wohneigentum bei der Altersvorsorge stärker berücksichtigt wird.

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          Am Freitag entscheidet der Bundesrat über die Rentenreform der Bundesregierung. Wesentlicher Bestandteil der Reform ist die Einrichtung einer staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Dazu ist die Bundesregierung auf die Zustimmung der Länderkammer angewiesen. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle fordert wesentliche Veränderungen.

          Am Freitag entscheidet der Bundesrat über die Rentenreform. Wir wird die FDP abstimmen?

          Das vorliegende Konzept können wir nicht mittragen. Es müssen wesentliche Veränderungen erfolgen.

          Welche?

          Insbesondere beim Wohnungseigentum ist das vorliegende Konzept noch nicht schlüssig. Es kann nicht sein, dass 30 Jahre Wohnungseigentum abbezahlt wird, um es dann wieder bei der Bank abzuliefern. Die jetzige Zertifizierungsregelung ist viel zu kompliziert. Auch ist die Frage der nachgelagerten Besteuerung nicht erfasst, die demnächst beim Verfassungsgericht zur Entscheidung ansteht.

          Auch die CDU fordert eine Änderung beim Wohneigentum. Ist das eine Art Koalition in der Opposition?

          Natürlich nicht. Wir haben eine eigenständige Position. Es wird interessant sein, wie sich die CDU verhält. Wir machen ja keine Opposition als Obstruktion, sondern zur Verbesserung des Rentenkonzeptes im Interesse der Generationengerechtigkeit und der Sicherheit der Rente.

          Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) hat auf die Benachteiligung der Frauen hingewiesen. Teilen Sie ihre Einschätzung?

          So isoliert nicht. Man muss insgesamt ein Konzept haben, was sich langfristig rechnet und das den Gedanken der Kapitalbildung der Eigenvorsorge auch durch Wohneigentum stärker berücksichtigt.

          Spielt bei der Betonung des Wohneigentums auch eine Rolle, dass viele Ihrer Wähler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz „Häuslebesitzer“ sind?

          Es wäre zu schlicht, Sachüberlegungen auf Wählerzielgruppen zu reduzieren. Ich darf daran erinnern, dass auch der sozialdemokratische Ministerpräsident Kurt Beck in Rheinland-Pfalz die Einbeziehung des Wohneigentums für unzureichend hält. Es ist einfach von der Sache her geboten zu sehen, dass die eingesparte Miete von Besitzern eines Hauses oder einer Eigentumswohnung einer Rentenkomponente gleichkommt und deshalb zu berücksichtigen ist. Man darf nicht bei jedem Sachargument unterstellen, dass es nur kurzfristig wahltaktisch ist.

          Aber es wird im Wahlkampf eine Rolle spielen?

          Die ganze Rente spielt im Wahlkampf eine Rolle. Es ist ja gut, wenn man in der Bevölkerung über wichtige Fragen diskutiert.

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