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Interview : Bové: „Der Gipfel ist die Provokation“

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Kämpfer gegen die Globalisierung: José Bové Bild: dpa

Der französische Globalisierungsgegner und Bauernführer José Bové will in Genua die westlichen Wirtschaftsordnungen offen verurteilen.

          Nach Ansicht von José Bové sollte der nächste Weltwirtschaftsgipfel auf dem Mond stattfinden. Nur dort seien die westlichen Staats- und Regierungschefs vor den Globalisierungsgegenern sicher. „Wenn sie eine Eskalation vermeiden wollen, müssen sie sich auf dem Mond treffen - dahin wird ihnen keiner folgen“, sagt der französische Aktivist im Gespräch mit FAZ.NET.

          Herr Bové, fahren Sie nach Genua?

          Ja.

          Werden sich viele französische Globalisierungsgegner auf den Weg nach Genua machen? In welchen Gruppen sind sie organisiert?

          Es gibt viele französische Netzwerke und Gruppen, die in Genua dabei sein werden. Gewerkschaften, Bürgerbewegungen wie Attac, die Confédération Paysanne. Es werden also auch viele Franzosen nach Genua kommen.

          Und was sind Ihre Ziele?

          Unser Ziel ist ganz klar: Die Wirtschaftsordnungen, die die reichen Länder diktieren, sollen offen verurteilt werden, und damit auch die internationalen Institutionen, die dafür verantwortlich sind. So sollen Akzente für den nächsten Gipfel der Welthandelsorganisation im November in Quatar gesetzt werden.

          Bereits im Januar dieses Jahres haben sich in Porto Alegre viele Gruppen zum Sozialgipfel zusammengefunden, um dem Weltwirtschaftsgipfel etwas entgegen zu setzen. Sind die Gruppen und die Motive nicht zu unterschiedlich, um etwas zu erreichen?

          Ich glaube, dass die Reichhaltigkeit des Sozialforums in Porto Alegre wie auch anderer Versammlungen oder Gegengipfel gerade in der Unterschiedlichkeit der Gruppen liegt. Auch um klar zu sagen, dass es nicht nur eine einzig mögliche Welt gibt, sondern viele verschiedenartige Optionen. Wir wollen verschiedene Alternativen entwerfen, gemäß der Realität und der Lebensweise der Menschen. Die Globalisierung dagegen erscheint uns als einförmig und uniform. Man darf sich ihr nicht mit der gleichen Uniformität entgegenstellen. In der Gegenbewegung bilden sich variierende, unterschiedliche und pluralistische Einsichten, die sich entgegen stehen dürfen.

          Das Sozialforum in Genua hat sich zur Gewaltfreiheit der Protestaktionen bekannt. Andere planen, in die Zonen einzudringen, die für Demonstrationen und Proteste gesperrt sind. Ist ein Ausbruch von Gewalt unvermeidlich?

          Die Provokation an sich ist, dass der Gipfel stattfindet. Wenn die reichen Länder nicht verstehen, dass dieses Treffen eine Beleidigung für die ärmsten Länder ist, ebenso für diejenigen Menschen, die von dem Treffen ausgeschlossen werden - auch Menschen aus den reichen Ländern -, dann leben sie hinterm Mond. Diese Länder stellen die eigentliche Gefahr und Provokation dar. Wenn sie eine Eskalation vermeiden wollen, müssen sie sich auf dem Mond treffen - dahin wird ihnen keiner folgen.

          Konterkariert die Gewalt nicht die Ziele der Globalisierungsgegner?

          Ich persönlich vertrete strategisch ganz klar die Gewaltfreiheit aller Aktionen. Mein Ziel war noch nie die Konfrontation mit der Polizei. Was zählt, ist vor allem der Erfolg der Mobilisierung. Man spricht jetzt schon von 100.000 bis 150.000 Menschen, die am 21. Juli in Genua demonstrieren werden. Wir wollen zeigen, dass es eine ernstzunehmende soziale Bewegung gibt, die sich der neoliberalen Logik entgegenstellt.

          Was tun Sie und andere Globalisierungsgegner, um eine Eskalation wie auf dem EU-Gipfel in Göteborg zu vermeiden?

          Das ist die Aufgabe der italienischen Verantwortlichen und der damit Beauftragten. Als Außenstehender ist es nicht meine Sache, mich an deren Stelle zu setzen. Ich werde die Entscheidungen unterstützen und umsetzen, die von den Verantwortlichen des Sozialforums vor Ort getroffen werden.

          José Bové ist Vorsitzende der linken Bauerngewerkschaft „Confédération Paysanne“ in Frankreich. Bekannt geworden ist der Landwirt durch den - wie er es nennt - „symbolischen Abbau“ einer McDonalds-Filiale in Südfrankreich. Das anschließende Gerichtsverfahren und eine Gefängnisstrafe brachten Bové die Aufmerksamkeit der Medien und die Sympathie vieler Franzosen.

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