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Integrationsprobleme in Schweden : Leben und sterben im Norden

Rinkeby, Sporthalle: Das Gebet zum Ende des Ramadan Bild: Casper Hedberg

Rinkeby ist das Synonym für eine Gegenwelt in Skandinavien: Lange Zeit war der Vorort von Stockholm ein Sprungbrett in die schwedische Gesellschaft. Heute steht er auch für Perspektivlosigkeit und die Probleme des Multikulti.

          In einem Film über die achtziger Jahre in New York will ein Gauner in der U-Bahn ein Kunststück aufführen. Einen Mitreisenden fragt er, ob er ein wenig Magie sehen wolle. Er könne dafür sorgen, dass alle Weißen aus der U-Bahn verschwänden. Der Mitreisende zweifelt. Die U-Bahn bremst quietschend, in den Lautsprechern knarzt die Ansage und die Weißen verlassen den Waggon, nur die Farbigen bleiben zurück. Der Mitreisende staunt – es ist die letzte Station vor Harlem. Fast dreißig Jahre später sind es vom Hauptbahnhof in Stockholm nur neun Stationen bis nach Rissne, der letzten Station vor Rinkeby. Erst die Ansage, dann gehen die Türen auf, kaum Weiße bleiben zurück. Fast scheint es Magie zu sein.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          „Wir haben vor zwanzig Jahren schon oft diese Witze gemacht“, sagt Kenneth Seremet, ein Zitronenwasser in der Hand, die Serviette hat er achtlos auf seinen stinkenden Fleischteller geworfen. „Es ging ungefähr so: Achtung, letzte Station vor Rinkeby, alle Ausweise raus.“ Er nimmt einen Schluck vom Zitronenwasser. Immer länger werden die Schatten auf dem Platz hinter der Fenstern von „Rinkeby Kebab“, die Verkäufer bauen ihre Gemüsestände ab und die Herrscher der Nacht übernehmen langsam den Platz, stellen sich auf in kleinen Gruppen. Kenneth Seremet wohnt seit gut dreißig Jahren in Rinkeby, immer wieder mit kleinen Unterbrechungen. Nun schreibt er seine Magisterarbeit über die Wandlungen in seinem Viertel. „Heute lache ich über solche Sprüche nicht mehr“, sagt er. Heute reden manche von „Klein Mogadischu“ wenn sie Rinkeby meinen.

          Es war eine Nacht der Gewalt

          Es ist noch nicht einmal acht Uhr in der Frühe, da füllt sich der Schulhof mit Erwachsenen. Die Sonne hat sich über die Häuserfronten gezwängt und wirft nun gelbes Licht auf die Fassade der Schulturnhalle, umschmeichelt die zerstreuten Überreste der Nacht auf dem Boden, die Scherben, Büchsen, Zigarettenschachteln. Gleich am Zugang zum Schulhof liegt eine Tür aus Stahl einsam und eingedrückt auf kahlem Fundament. Vor wenigen Monaten wurde hier eines der Schulgebäude von Jugendlichen niedergebrannt. Es war eine Nacht der Gewalt. Nur die Tür blieb übrig. Die Menschen gehen an ihr vorbei und auf die Turnhalle zu. Viele Männer sind in Anzügen gekommen, andere auch in strahlend weißen Umhängen. Die Frauen tragen Kopftücher, oft bunt, die goldenen Nähte glitzern in der Morgensonne. Dann dringt Sprechgesang aus der Halle. Die Männer betreten sie durch den Haupteingang, den Gebetsteppich unterm Arm, die Frauen nehmen den Nebeneingang. An diesem Morgen endet Ramadan und in der Turnhalle soll Allah gedankt werden.

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