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Integrationspolitik : Die Sprache der CSU

  • -Aktualisiert am

Ausländern vorzuschreiben, wie sie zu Hause zu sprechen haben, kann kein ernsthafter Vorschlag sein. Denn gutes Deutsch lernen sie nur in der Schule.

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          Man kann den Vorschlag der CSU, dass in Deutschland zu Hause Deutsch zu sprechen sei, mit schwarzem Humor nehmen, so wie es übers Wochenende viele getan haben. In der Tat mutet es an wie gelebtes Kabarett, wenn Politiker, deren Idiom schon mal untertitelt werden muss, damit man sie außerhalb ihres mundartlichen Wirkungskreises versteht, anderen den Gebrauch der Schriftsprache vorschreiben wollen. Dass Deutsch des Bayern erste Fremdsprache sei, war stets nur ein halber Witz, denn er beschreibt den Alltag auf vielen Ämtern und in vielen Familien des Freistaats.

          Trotzdem sollte man sich genau ansehen, was eine Regierungspartei auf dem schwierigen Feld der Integrationspolitik zu sagen hat. Es ist unbestritten, dass die Beherrschung der deutschen Sprache eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Eingliederung in unsere Gesellschaft ist (obwohl auch viele Dschihadisten akzentfrei Deutsch sprechen, wie ein Blick ins Internet lehrt). Die Frage ist, wie man das bewerkstelligt.

          Es gibt hierzulande tatsächlich fremdsprachliche Familien, die zu Hause auf Deutsch radebrechen. Jeder, der so etwas einmal gehört hat, weiß, dass gerade die Kinder auf diese Weise nur viel Falsches lernen. Deshalb muss der Spracherwerb von der Schule geleistet werden und im Fall der Eltern von darauf spezialisierten Einrichtungen. Das entspricht auch der freiheitlichen Grundordnung dieses Landes: Bildung ist eine öffentliche Aufgabe, darum muss sich die Politik kümmern. Den Staat geht dagegen nichts an, was einer in seinen vier Wänden macht, sofern er nicht straffällig wird. Und schon gar nicht sollte ein soziales Klima geschaffen werden, in dem Leute „angehalten“ werden, Deutsch zu sprechen. Von der Polizei etwa?

          Der CSU werden solche Feinheiten egal sein, denn der Vorschlag ist erkennbar nicht als ernsthafter Beitrag zur Integrationsförderung gedacht. Es geht der Partei wieder einmal darum, die rechte Flanke abzusichern, denn da regt sich seit der Eurokrise neue Konkurrenz.

          Die Erfahrung aus anderen europäischen Ländern zeigt allerdings, dass das heute nicht mehr ganz so einfach ist wie zu Straußens Zeiten. Wem zu viele Ausländer in Deutschland sind, der dürfte am Ende sein Kreuz eher bei denen machen, die das unverblümt sagen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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