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Integration : Über die Kinder

Ob Sprache oder Ganzkörperverhüllung: Wer sich abschottet, verabschiedet sich von der „öffentlichen Sache“. Aber Integration kann man nicht befehlen.

          Während die einen ihre Kinder von teuren internationalen Schulen wieder abmelden, weil die Kleinen die deutsche Sprache verlernen, sprechen die anderen zu Hause von jeher kein deutsch. Zu Hause? Ist jemand hier je heimisch geworden, der seine Kinder daran hindert, die Sprache dieses Landes zu lernen? Dem Kindeswohl dient diese Isolation jedenfalls nicht. Insofern ist das ein Fall für den Staat – wenn er auch keine Sprachwächter schicken darf. Er muss aber ein Interesse an offener Kommunikation haben. Auch das ist eine Frage der Integration. Wer sich zurückzieht und abschottet, verabschiedet sich von der „öffentlichen Sache“, der res publica. Auch deshalb hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte es Frankreich erlaubt, das Tragen von Burkas in der Öffentlichkeit zu verbieten. Was aber nicht heißt, dass eine solche Gängelung für Deutschland geboten wäre. Echte Integration kann nicht befohlen werden, man kann nur eindringlich für sie werben – vor allem über die Kinder. Generell gilt: Der Wille, hier mitzutun, muss darüber entscheiden, wer ins Land darf – und wer gehen muss.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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