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Inselbesetzung : Spanien droht Marokko

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Umstrittener Felsbrocken: Perejil vor der Küste Marokkos Bild: aptn

Madrid ist bereit, im Streit um die von Marokko besetzte Mittelmeerinsel Perejil alle „legitimen“ Mittel anzuwenden.

          Der Streit um die Mittelmeerinsel Perejil (Petersilie) spitzt sich zu. Spanien schloss am Montag die Anwendung von Gewalt offenbar nicht mehr aus. Drei raketenbestückte Fregatten, die Korvetten „Cazadora“ und „Infanta Elena“ sowie zwei U-Boote, Aufklärungsflugzeuge und Hubschrauber sind mittlerweile um das Felseneiland im Einsatz. Am Montag verstärkte Madrid seine Militärpräsenz noch einmal. Auch die Nato ist besorgt über die Lage. Völkerrechtlich ist indes nicht geklärt, wem die in Marokko „Leila“ genannte, 150.000 Quadratmeter große Insel gehört.

          „Wenn es nötig ist, verzichten wir auf kein legitimes Mittel“, sagte der für Sicherheitspolitik zuständige Staatssekretär Pedro Morenés am Montag. „Wir werden die verschiedenen Stufen der Diplomatie befolgen, bis Druckmaßnahmen jeder Art erreicht sind.“ Er ergänzte: „Und ich sage jeder Art.“

          Die spanische Außenministerin Ana Palacio warnte Marokko davor, angesichts der Krise um Perejil eine Debatte über die Exklaven Ceuta und Melilla zu entfachen. Beide Besitzungen gehören seit 500 Jahren zu Spanien. Rabat fordert seit jeher die Rückgabe der beiden Städte mit zusammen rund 130.000 Einwohnern.

          Streit um eine Miniinsel

          Rabat will Überwachungsposten einrichten

          Marokkos Außenminister Mohammed Benaissa kritisierte die Reaktion Madrids als völlig überzogen. „Es ist doch nicht so, dass wir mit zehn Soldaten in Spanien einmarschiert sind.“ Sein Land werde den Felsen nicht verlassen, sagte Benaissa in Rabat und bekräftigte, das Eiland sei marokkanisch. Sein Land wolle dort einen ständigen Überwachungsposten im Kampf gegen Terroristen und Schlepperbanden in der Meerenge von Gibraltar einrichten.

          Aznar fordert Abzug, keine Anfrage an Nato

          Der spanische Ministerpräsident José María Aznar erklärte im Parlament: „Wir lassen uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen.“ Marokko müsse seine Soldaten von dem Eiland abziehen und damit den Status quo wiederherstellen. Die Besetzung schade den bilateralen Beziehungen, sagte Aznar am Montag. Spanien unternehme alle diplomatischen Bemühungen, um die Krise zu lösen und das internationale Recht wiederherzustellen.

          Alle Seiten seien besorgt, sagte ein Nato-Sprecher, nachdem Spaniens Botschafter in einem Gespräch mit Generalsekretär George Robertson die Lage erläutert hatte. Die Nato habe aber keinerlei Anfrage nach einem militärischen Eingreifen erhalten. Das Bündnis unterstütze Spaniens Wunsch, den Konflikt mit diplomatischen Mitteln beizulegen. Die EU-Kommission erneuerte ihre Unterstützung für Spanien und sprach Madrid ihre „volle Solidarität“ aus. Perejil gehöre zum Territorium der Union, sagte ein Sprecher von Kommissionspräsident Romano Prodi. Er forderte, die marokkanischen Truppen müssten „so bald wie möglich“ abziehen.

          Unklarer Status

          Zehn bis zwölf marokkanische Soldaten waren am vergangenen Donnerstag auf Perejil gelandet und hatten die Flagge ihres Landes gehisst.

          Die unbewohnte Felseninsel liegt etwa 40 Kilometer östlich von Tanger und nur 200 Meter vom marokkanischen Festland entfernt. Sie war Spanien 1668 zugesprochen worden. Rabat beharrt aber darauf, dass sie mit der Unabhängigkeit 1956 an das nordafrikanische Königreich zurückgefallen ist. Perejil gehört offiziell zu keiner spanischen Verwaltungseinheit. Marokko rechnet die Insel zu seinem Territorium, da sie in marokkanischem Hoheitsgewässer liegt.

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