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Terrorismus in Innenstädten : Beton in den Köpfen

Wie können Innenstädte besser vor Terrorismus geschützt werden? Bild: Getty

Wie schützt man Innenstädte vor Amokfahrern und Terroristen? Viele Kommunen sind überfordert. Kaum jemand hilft ihnen.

          13 Min.

          Der Mann, der seinen Campingbus in Tische und Stühle vor einer Gaststätte in Münster steuerte, war nicht ideologisch motiviert. Er war psychisch krank und wollte andere mit in den Tod reißen. Für jene Leute aber, die einen lauen Frühlingstag genießen wollten, war es dennoch wie Terror. Zwei Menschen wurden bei der Amokfahrt am vorigen Samstag getötet, zwanzig weitere verletzt, einige lebensgefährlich. Es ist auch kein Grund zum Aufatmen, dass der Täter nicht im Auftrag des „Islamischen Staats“ tötete. In Deutschland nehmen sich weit mehr Menschen das Leben, als es islamistische Gefährder gibt; Hunderte suchen den Tod in der Öffentlichkeit, auf Bahnschienen, springen von Brücken. Nicht auszudenken, wenn die sich an Münster ein Vorbild nähmen.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Sind deutsche Städte ausreichend sicher? Diese Frage kommt jedes Mal auf, wenn irgendwo ein Auto oder ein Laster in eine Menschenmenge rast. Politiker, die Verantwortung tragen, bedienen sich dann gerne aus einem Floskel-Repertoire. „Hundertprozentige Sicherheit lässt sich nicht erreichen“, sagte der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe. Wie wahr. Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, äußerte: „Die Antwort kann nicht sein, dass wir unsere Städte zubetonieren.“ Hatte das jemand gefordert? Und überhaupt: Sind viele deutsche Städte nicht längst zubetoniert, wenn auch aus ganz anderen Gründen als dem Terrorschutz? Nicht fehlen durfte folgendes Argument, ebenfalls aus dem Munde Reuls: „Es nutzt kein Poller, wenn jemand mit dem Messer herumläuft.“ Aber was ist, wenn der Täter am Steuer eines Schwerlasters sitzt? Auch dafür gibt es einen Einwand. Es könne „nicht jeder Anfahrtswinkel in einer Stadt völlig mit Barrieren eingeengt werden“, ließ der CSU-Innenpolitiker Volker Ullrich wissen.

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