https://www.faz.net/-gpf-9dwvm

Überlastete Einsatzkräfte : Zweitligaspiel wegen geplanter Proteste in Chemnitz abgesagt

  • Aktualisiert am

Die Polizei überwacht die rechtsextreme Demonstration, organisiert vom rechtspopulistischen Bündnis „Pro Chemnitz“. Bild: Mai, Jana

Bei den Demonstrationen in Chemnitz rechnet die Polizei am Wochenende mit mehr als zehntausend Teilnehmern. Um die Einsatzkräfte wenigstens etwas zu entlasten, wird deswegen nun das Fußballspiel zwischen Dresden und dem HSV verlegt.

          Wegen des Großeinsatzes der Polizei in Chemnitz wird das Fußballspiel in der 2. Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und dem Hamburger SV am Samstag (13 Uhr) in Dresden verlegt. Wie die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verkündet, wird die Partie „auf Weisung“ des Landes Sachsen abgesagt. Einen Ersatztermin gibt es noch nicht. Die DFL bedauere diesen Schritt, „respektiere“ allerdings die Entscheidung des Staatsministeriums.

          „Wir hatten auf diese Entscheidung keinerlei Einfluss und bedauern die Spielabsage sehr, weil wir uns wie über 30.000 Fans auf ein Fußballfest gefreut hatten“, sagte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Auch der HSV bedauerte die Spielabsage. „Natürlich hätten wir gerne morgen in Dresden gespielt und sind sportlich vorbereitet gewesen, entsprechend enttäuscht sind wir von dieser Absage. Aber wir müssen wie unser Gegner der Anordnung des sächsischen Innenministeriums folgen“, sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann. Nach zuletzt drei Siegen in Serie wollte der HSV seinen Aufwärtstrend in Dresden bestätigen. Die Hanseaten waren am Freitagabend mit der Bahn angereist.

          Wasserwerfer und Reiter stehen bereit

          Die sächsische Polizei geht bei den für Samstag in Chemnitz angemeldeten Demonstrationen und Versammlungen von einer Teilnehmerzahl „im unteren fünfstelligen Bereich“ aus. Das sagte Landespolizeipräsident Jürgen Georgie am Freitag in Dresden. Der Freistaat habe Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert und alle verfügbaren Kräfte bekommen. Auch Wasserwerfer und Reiter stünden bereit. „All denen, die Gewalt suchen oder ausüben, werden wir mit aller Konsequenz entgegentreten“, erklärte Georgie.

          Georgie hatte zuvor betont: „Wir müssen auch unter Abwägung aller dieser Umstände berücksichtigen, dass die Kräfte, die wir in Chemnitz brauchen, Auswirkungen auf andere Ereignisse haben werden. Für den Freistaat Sachsen haben wir darum gebeten, die morgige Begegnung zwischen dem HSV und Dynamo Dresden zu verlegen.“ Das Spiel in der Dresdner DDV-Arena ist mit mehr als 30.000 Zuschauern ausverkauft gewesen.

          Die AfD und das ausländerfeindliche Bündnis Pegida haben zu einem Schweigemarsch aufgerufen, das rechtspopulistische Bündnis Pro Chemnitz hat ebenfalls eine Kundgebung angemeldet. Zudem soll es eine Gegendemonstration eines breiten Bündnisses unter dem Motto „Herz statt Hetze“ geben.

          Die Regierungskoalition von CDU und SPD in Sachsen verliert währenddessen weiter an Rückhalt. Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild“-Zeitung (Samstag) kommt Schwarz-Rot nur noch auf 39 Prozent.

          Die CDU verliert im Vergleich zur Insa-Umfrage von Anfang Juni 4 Prozentpunkte und liegt bei 28 Prozent, die SPD kann 2 Punkte auf 11 Prozent zulegen. Auch die AfD verbucht mit 25 Prozent einen Punkt mehr. Die Linke rutscht um einen Punkt auf 18 Prozent. Grüne und FDP kamen jeweils auf 7 Prozent.

          Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des MDR war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Danach war die CDU mit 30 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Sachsen. Die AfD kam auf 25 Prozent, die mitregierende SPD auf 11 Prozent. Die Linken lagen bei 18 Prozent, die Grünen bei 6 und die FDP bei 5 Prozent.

          Weitere Themen

          RWE sagt Rodungsstopp bis 2020 zu

          Hambacher Forst : RWE sagt Rodungsstopp bis 2020 zu

          RWE geht im Streit um den Hambacher Forst auf Braunkohlegegner zu. Der Rest des Waldes werde bis zum Herbst 2020 nicht weiter gerodet. Damit folgt RWE einer Empfehlung der Kohlekommission.

          Angst vor amerikanischen Invasion Video-Seite öffnen

          Venezuela in Alarmbereitschaft : Angst vor amerikanischen Invasion

          Der Machtkampf zwischen Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó geht weiter: Die Maduro-Regierung will keine amerikanischen Medikamente und Lebensmittel ins Land lassen, aus Angst vor einer Invasion. Sein Kontrahent Juan Guaidó geht dagegen vor.

          Topmeldungen

          Die „Gorch Fock“ läuft aus ihrem Heimathafen in Kiel aus.

          Insolvenz : Krimi um „Gorch Fock“ und ihre Werft

          Die Sanierung des maroden Segelschiffs „Gorch Fock“ gerät immer weiter zum Krimi. Jetzt meldet die zuständige Werft Insolvenz an – und es ist von rätselhaften Geldflüssen in Millionen-Höhe die Rede.
          Neuwagen von Audi vor der Verladung auf Handelsschiffe in Emden

          Sinkende Exportzahlen : So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

          Erstmals seit 2009 hat Deutschland weniger Autos exportiert als ein Jahr zuvor. Der drohende Handelskonflikt mit Amerika, der Brexit und neue Abgasvorschriften setzen der Branche zu. Deutschlands wichtigste Branche geht unsicheren Zeiten entgegen.

          Vorfälle in Frankreich : Die Banalisierung des Antisemitismus

          20.000 Menschen demonstrieren gegen Judenhass in Paris. Das ist zu wenig, um den aufkeimenden Antisemitismus in Frankreich wieder einzudämmen. Und die Regierung Macron ist kaum bemüht, das Problem zu lösen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.