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Zustand der Pädiatrie : Medizin ohne Empathie

  • -Aktualisiert am

Ein Frühchen liegt im Mai 2010 in einem Brutkasten des Klinikums in Neubrandenburg. Bild: dpa

Unter den Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitssystems müssen vor allem Kinder leiden. Dabei wäre die Lösung des Problems gar nicht so schwierig.

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          Eine neue Studie belegt schwarz auf weiß, was Eltern von kranken Kindern schon länger spüren: Eine sichere und gute gesundheitliche Versorgung der Kleinsten ist vielerorts in Deutschland nicht mehr gewährleistet. Es fehlt an Betten, an speziellen Einrichtungen und an Personal.

          Dieser Befund ist das Ergebnis des ökonomischen Drucks, der zunehmend auf dem Gesundheitssystem lastet, der aber die Pädiatrie so schwer trifft wie fast keinen anderen Fachbereich. In einem System, in dem es darum geht, viel Geld zu verdienen, indem man möglichst viel Technik anwendet und in dem möglichst wenig geredet, zugehört und gepflegt wird, ist der besorgniserregende Zustand der Kindermedizin keine Überraschung. Kranke Kinder verlangen nämlich genau das, was das System nicht zahlt: Ärzte und Pfleger, die mit Zeit, Geduld und Empathie versuchen, eine sehr gute aber möglichst wenig belastende Behandlung zu finden.

          Dass sich die Situation im Gesundheitssystem zuspitzt, ist nicht nur in der Pädiatrie zu spüren. Es brennt an vielen Ecken. Einigen Feuern versuchen Politik und Selbstverwaltung mit neuen Regularien entgegenzuwirken; sei es beim Pflegepersonal, in der Intensivpflege, der Hygiene oder Notfallversorgung. Jeder dieser Ansätze mag für sich sinnvoll und wichtig sein, verlagert im Alltag der Krankenversorgung das Problem aber oft von der einen auf die andere Station. So wie Kinderkliniken bei knappen Kapazitäten ihr spezialisiertes Pflegepersonal auf die Intensivstation für sehr kleine Frühgeborene schicken, um dort die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen und ihre Leistung abrechnen zu können. In der Folge haben sie niemanden mehr, der ältere schwerkranke Kinder pflegt, für die es solche gesetzlichen Vorgabe noch nicht gibt.

          Nur über Vorschriften werden sich die Probleme des deutschen Gesundheitswesens nicht lösen lassen. Was es viel mehr braucht: wieder das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt zu rücken. Eine Gesundheitsversorgung, die das als oberstes Ziel hat, muss nicht teurer werden. Sie kann nämlich dazu führen, dass bestimmte Therapien gar nicht angewendet werden, dass Kliniken schließen müssen, weil sie die Qualitätsstandards nicht erfüllen und weil Dasein, Zuhören und Beraten kaum Sachressourcen beanspruchen. Das, was Kinder also instinktiv verlangen, sollte dem gesamten Gesundheitssystem bei künftigen Entscheidungen als Maßstab dienen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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