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Konflikt mit Verbänden : Islamunterricht am Limit

Der Innenraum der Ditib-Merkez-Moschee in Duisburg Bild: dpa

Was darf im Religionsunterricht an Schulen über Schwule und Lesben gesagt werden? Und steht die Antwort darauf wirklich im Koran? Die Bundesländer stecken in der Klemme. Irgendwie müssen sie den Islam integrieren.

          Der deutsche Staat und die islamischen Verbände führen eine wechselhafte Beziehung miteinander. Mal geht es aufwärts, dann abwärts. Seit einiger Zeit sogar ziemlich rasant abwärts, denn die politische Entwicklung der Türkei schlägt bis nach Deutschland durch. Das merkt man vor allem in der Schulpolitik, wo sich Staat und Islamverbände am nächsten kommen: Hessen prüft derzeit, ob der Religionsunterricht in Zusammenarbeit mit der Ditib überhaupt fortgeführt werden kann. Der Verband wird faktisch von Ankara aus gesteuert. In Nordrhein-Westfalen muss die Ditib den Sitz im Beirat für den islamischen Religionsunterricht ruhen lassen. Und Baden-Württemberg hat sich gerade erst dafür entschieden, die Finger zu lassen vom Beiratsmodell für den islamischen Religionsunterricht. Stattdessen setzt man in Stuttgart auf ein Stiftungsmodell. Das ist zwar politisch leichter zu handhaben. Verfassungsrechtler schlagen in Anbetracht der gewagten Konstruktion aber die Hände über dem Kopf zusammen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die Bundesländer stecken in der Klemme. Irgendwie müssen sie den Islam integrieren – das gestaltet sich allerdings zunehmend schwieriger mit den Islamverbänden. Selbst in Niedersachsen, wo die Zusammenarbeit lange recht gut funktioniert hat, häufen sich inzwischen die Probleme: Vor einigen Tagen untersagte das CDU-geführte Justizministerium Ditib-Imamen, niedersächsische Gefängnisse zu betreten. Die Imame sind Beamte des türkischen Staates. Die anderen Ressorts jedoch teilten nach längerer Prüfung mit, dass sich die Zusammenarbeit „bewährt“ habe und man sie fortsetzen wolle.

          Homosexualität sei im Islam verboten

          Unter der Oberfläche gärt es jedoch auch dort. Fast zwei Jahre lang hat das Kultusministerium mit den beiden Islamverbänden Ditib und Schura gerungen. Es ging um das geplante Kerncurriculum für die Religionsunterricht in den Grundschulen. Anlass des Streits ist folgender Passus: „Der islamische Religionsunterricht ist ein schulisches Fach, das auf den Bildungs- und Erziehungszielen des Niedersächsischen Schulgesetzes basiert und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der islamischen Religionsgemeinschaften erteilt wird. Er trägt dazu bei, den im Gesetz formulierten Bildungsauftrag umzusetzen, und thematisiert die Ablehnung diskriminierender oder ausschließender Verhaltensweisen auch im Kontext der Vielfalt sexueller Identitäten.“ Übersetzt heißt das: Grundschüler sollen auch im Religionsunterricht erklärt bekommen, dass es nicht in Ordnung ist, Lesben oder Schwule zu benachteiligen. Im Vergleich dazu, was sonst unter der Rubrik Diversität und Anti-Diskriminierung diskutiert wird, ist das keine besonders weit gehende Regelung. Die großen Kirchen hatten kein Problem damit.

          Auch die Islamverbände schienen zunächst einverstanden. Ein Imam, den sie benannt hatten, stimmte dem Kerncurriculum uneingeschränkt zu. Ein vierköpfiger Beirat hingegen lehnte den Vorschlag vor zwei Jahren ab. In dem Gremium sitzen je zwei Vertreter der Ditib und des Moscheeverbands Schura. Ihr „Nein“ fiel genau in die Zeit, als sich das Verhältnis zwischen Land und Verbänden rasant abkühlte und ein geplanter Vertrag über die künftige Zusammenarbeit scheiterte. Vor einigen Tagen haben die Verbände den Entwurf im Beirat nun abermals abgelehnt. Der Ditib-Vorsitzende Ali Ünlü begründete das im Gespräch mit dieser Zeitung damit, dass Homosexualität im Islam „verboten“ sei. Den vorgelegten Passus zur sexuellen Diversität „gibt der Koran nicht her“, sagte Ünlü.

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