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Industrie und Nazis : Die Ofenbauer von Auschwitz

Die Topf-Öfen im Konzentrationslager Buchenwald: Die Ingenieure optimierten ihre Techniken teilweise noch vor Ort, durch Beobachtungen und Messungen während den Verbrennungsprozessen. Bild: mauritius images

Zwei Unternehmen, spezialisiert auf Verbrennungstechnik, machten den Massenmord der Nazis möglich. Nach dem Krieg schaute niemand so genau hin – mit einigen wenigen Ausnahmen.

          8 Min.

          In einem Berliner Hinterhof wurde die Technik für die mechanisierten Massenmorde des Nazi-Regimes gefertigt. An einem heute namenlosen Ort in der Dennewitzstraße produzierte das Unternehmen Heinrich Kori zunächst Öfen zum Verbrennen von Müll und Kadavern. Ein Firmenprospekt versprach: „Alles Unreine und Wertlose wird am billigsten und besten gleich am Ort der Entstehung verbrannt.“ Später machte die Familie ihr Geld auch mit Leichen-Verbrennungsöfen. Die lieferte Kori von Berlin-Schöneberg aus an Konzentrationslager wie Ravensbrück, Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Majdanek, wo Zehntausende Menschen getötet und verbrannt wurden. Die Nachfahren des Firmengründers Kori wurden so zu technischen Helfern der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Das Unternehmen, an dessen Existenz heute in Berlin nichts erinnert, hat sich am Holocaust beteiligt – wie nur ein zweites.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dieses zweite Unternehmen war Topf&Söhne in Erfurt, heute bekannt als die Ofenbauer von Auschwitz. Auch bei Topf wurden Verbrennungsöfen hergestellt. Spezialisiert war das Familienunternehmen allerdings auf pietätvolle Krematorien. In denen wurden die geehrten Verblichenen in Würde zu Asche. Der energische und liberale Gründer Ludwig Topf und seine Söhne hatten die Thüringer Firma zu einem Mittelständler mit mehr als tausend Mitarbeitern gemacht, der seine Produkte zur Verbrennung und Schädlingsbekämpfung in ganz Europa und bis nach Nord- und Südamerika verkaufte.

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