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Zum Tode von Hans Matthöfer : Krisenmanager ohne Pathos

Jegliche Neigung zum Pathos war ihm fremd: Hans Hermann Matthöfer Bild: dpa

Getöse lag Hans Hermann Matthöfer nicht. Eher schon prägte strenge Sachlichkeit das Auftreten des Gewerkschafters, Politikers und früheren Finanzministers. Am Sonntag ist Matthöfer nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben.

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          Der neue SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erinnerte am Wochenende die Delegierten des Dresdner Parteitages daran, dass Sozialdemokraten immer dann in die Regierung gerufen würden, wenn die Zeiten schwierig seien. Er drehte sich kurz um und wandte sich an Peer Steinbrück, der Deutschland in der Finanzkrise vor Schlimmerem bewahrt habe. Noch bevor der Parteitag am Sonntag zu Ende ging, wurde Gabriel an eine andere Krisenzeit und an einen anderen Krisenmanager erinnert. Während der zweiten Ölkrise entwarf der Sozialdemokrat Hans Matthöfer, ein Vorgänger Steinbrücks im Finanzministerium, 1981 das sogenannte Ölpapier: Er wollte die Handlungsspielräume des Staates gegen das Erdölkartell verteidigen; der Staat müsse eingreifen, wenn der Markt versage. So wurde auch Matthöfer ein Staatsinterventionist wider Willen. Als er 1978 das Finanzministerium im Kabinett Schmidt übernommen hatte, versuchte er selbst noch – zum Leidwesen der Parteilinken –, das Ende des Keynesianismus einzuleiten und die Haushaltspolitik wieder am Stabilitätsziel zu orientieren. Am Ende freilich teilte er das Schicksal Steinbrücks.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Hans Hermann Matthöfer wurde 1925 als katholisches Arbeiterkind in Bochum, im Herzen des roten Reviers, geboren. Unbeschwert wuchs er nicht auf: Er erlebte die Arbeitslosigkeit des Vaters, die Verführung der HJ-Scharführer und – nach Volksschule und Kaufmannslehre – als Wehrmachtssoldat die Schrecken des Krieges. Nach 1945 begann die Zeit des Aufholens; er studierte Wirtschaftswissenschaft in Frankfurt und in den Vereinigten Staaten und lernte Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch. Über das Engagement im SDS fand er politisch zurück zu den Familienwurzeln: 1950 trat er der SPD bei. Inmitten des Wirtschaftswunders zog es ihn zu den Gewerkschaften; unter Otto Brenner arbeitete er für die IG Metall und galt seinerzeit als ein etwas unberechenbarer Linker. Dass er von 1961 an einen Frankfurter Wahlkreis im Bundestag vertrat und seine Tätigkeit in der Gewerkschaftszentrale beendete, wurde daher von den Kollegen am Main nicht wirklich bedauert

          Gefragter Krisenmanager

          Sein Aufstieg begann in der sozialliberalen Ära: 1972 Parlamentarischer Staatssekretär unter dem Entwicklungshilfeminister Eppler, 1974 Forschungsminister – den Posten des Finanzministers gab er schon vor der Wende von 1982 aus gesundheitlichen Gründen ab, ließ sich dann aber von Schmidt überreden, das Postministerium zu übernehmen. In der Opposition diente er der SPD als Schatzmeister, bevor er 1986 vom DGB nach dem fehlgeschlagenen Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ zur Gewerkschaftsholding geholt wurde. Wieder war er als Krisenmanager gefragt. Er machte kein Aufheben darum – ihm fehle jegliche Neigung zum Pathos, sagte Schmidt einmal über Matthöfer.

          Wenn Zeit blieb in all den Jahren, engagierte sich Matthöfer – der mit seiner Frau Traute, mit der er seit 1951 verheiratet war, zuletzt im Taunus lebte – gegen die Militärdiktaturen Südamerikas. Am Sonntag ist er nach langer Krankheit in Bad Soden gestorben.

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