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Zum Tode von Hans Küng : Ein populärer Kirchenkritiker

Hans Küng im Februar 2017 in Tübingen Bild: dpa

Acht Päpste hat der Theologe Hans Küng erlebt und sechs von ihnen haben auch ihn kennengelernt. Als Kirchenkritiker machte er stets von sich reden. Nun ist er im Alter von 93 Jahren in Tübingen gestorben.

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          Seine Memoiren hatte Hans Küng längst vorgelegt. Zwischen 2007 und 2015 hat der 1928 im schweizerischen Sursee geborene Theologe das geneigte Publikum in drei Bänden mit zusammen mehr als 2000 Seiten an seiner Sicht der Kirche und der Welt teilhaben lassen – und wer mag, der kann sich auch an den Erinnerungen Küngs an acht Päpste von Pius XI. bis zu Franziskus erfreuen: So viele hatte der Geistliche erlebt – und von Pius XII. bis Benedikt XVI. hatten auch sie ihn kennengelernt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          1957 hatte Küng als junger Absolvent des Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom mit einer Dissertation über die Rechtfertigungslehre des evangelischen Theologen Karl Barth Aufsehen erregt. 1960 erhielt er an der Universität Tübingen seinen ersten Lehrstuhl. Doch als Professor wie als Konzilstheologe an der Seite des Rottenburger Bischofs Carl Josef Leiprecht machte Küng stets ebenso viel von sich reden wie von Theologie und Kirche.

          Die Verhärtungen der Nachkonzilszeit wie die Enzyklika „Humanae vitae“ (1968) bestärkten ihn in seiner Auffassung, dass die päpstlichen Unfehlbarkeit die Wurzel allen Übels in der katholischen Kirche sei. Als der Vatikan Ende 1979 ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzog, war Küng am Ziel. Fortan gefiel er sich noch mehr in der Rolle desjenigen, dessen Haut „der Inquisition preisgegeben“ worden sei. Seiner Popularität tat das ebenso wenig Abbruch wie den Verkaufszahlen seiner in viele Sprachen übersetzen Bücher „Unfehlbar?“ (1970) „Christ sein“ (1974) oder „Existiert Gott?“ (1978). Von den neunziger Jahren an verlegte sich Küng zusehends auf die Erforschung der Weltreligionen, auf die Stiftung „Weltethos“ und ein gleichnamiges Institut an der Universität Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 gelehrt hatte.

          2005 begegnete er in Castel Gandolfo bei Rom gesprächsweise einem Mann wieder, den er 1968 als „gleichgesinnten, gleichaltrigen und gleichfähigen“ Kollegen nach Tübingen gelockt hatte: Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. In Rom wirkte damals auch einer seiner früheren Assistenten: Walter Kardinal Kasper, der Ökumene-Minister des Vatikans. Am Osterdienstag ist Hans Küng im Alter von 93 Jahren in Tübingen gestorben.

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