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Zum Tod von Klaus Kinkel : Ein Mann, der sich treu blieb

Klaus Kinkel 1998 auf dem Dach des Auswärtigen Amtes in Bonn Bild: dpa

Klaus Kinkel war kein Parteipolitiker wie viele andere. Seine beeindruckende Laufbahn verdankt sich eher einer Kette von Zufällen und Notwendigkeiten.

          Einige seiner hohen Ämter hatte Klaus Kinkel gar nicht unbedingt haben wollen. Vor allem solche, in denen er unentwegt der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen musste. Denn Klaus Kinkel war kein Parteipolitiker wie viele andere, die es sich seit ihrer Jugend zur Lebensaufgabe machen, zu Macht und Einfluss zu gelangen. Seine Laufbahn, lang und beeindruckend, verdankt sich mehr eine Kette von Zufällen und Notwendigkeiten.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Seinem Naturell nach war Kinkel ein zuverlässiger Herzensmensch, direkt, humorvoll und  manchmal durchaus laut. Diplomatie ist sein Lieblingsfach jedenfalls nicht gewesen. Aber auch so konnte man, die Geschichte lehrte es, schlussendlich Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und FDP-Vorsitzender werden.

          Zwischen Bonn und Pullach

          Im Schwäbischen Metzingen geboren studierte der Arztsohn nach dem Abitur Jura, erst in Tübingen, dann im regierungsnahen Köln. Mit der Promotion in der Tasche begann Kinkel im Bonner Innenministerium eine Karriere, die ihn bald an die Seite von Hans-Dietrich Genscher brachte, dem er als persönlicher Referent und dann Leiter des Ministerbüros diente. Als Genscher umständehalber ins Auswärtige Amt wechselte, Walter Scheel war Bundespräsident geworden, ging Kinkel mit. Dafür, dass weder Genscher noch Kinkel irgendwelche außenpolitische Erfahrungen hatten oder auch nur passabel Englisch sprachen, lief die Sache ganz gut. Genscher blieb von 1974 an rund achtzehn Jahre fast ununterbrochen im Amt und fand in Kinkel über all die Jahre einen loyalen Verbündeten.

          Nach einigen Jahren in Stäben des Auswärtigen Amts wurde Kinkel 1979 zum Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes ernannt. Er, selbst ungedient und unbelastet von militärischen Netzwerken, die den Dienst damals prägten, wurde somit der erste zivile Chef des BND. Wenn man heute die Ahnengalerie der Präsidenten an sich vorüberziehen lässt, taucht Kinkel als ein altersloser Mann mit kantigem Gesicht und eckiger Brille auf. Und es scheint, als habe sich an diesem Äußeren in den folgenden Jahrzehnten wenig verändert. Ein Mann, der sich treu blieb. Kinkel führte den Dienst Amt auf der Grundlage seiner Ministerialerfahrung und in enger Verbundenheit mit Genscher, dem es wichtig war, einen Vertrauten an der Spitze eines der Nachrichtendienste zu wissen.

          Klaus Kinkel, aufgenommen im Dezember 2016 bei einem Empfang zu seinem 80. Geburtstag Bilderstrecke

          Kinkel blieb fünf Jahre zwischen Bonn und Pullach und es waren für den Dienst recht gute Jahre. Doch dann zerbrach die sozial-liberale Koalition, Genscher wechselte den Partner und ging eine Bündnis mit der Union ein. Das brachte die FDP an eine Zerreißprobe, Genscher kämpfte ums politische Überleben. So holte er Kinkel nach der Bundestagswahl 1982 ins Justizministerium. Kinkel war dort Staatssekretär unter einem FDP-Minister, zugleich Taktgeber und Arbeitspferd der neuen Koalition. Dies zumal Genscher an vielen Tagen des Jahres irgendwo zwischen den Längengraden der Erde unterwegs war, um Außenpolitik zu machen.

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