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Zum ersten Mal : Merkel attackiert die AfD

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Am Abend in Inzell: Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die „Alternative für Deutschland“ zum ersten Mal direkt angegriffen. Auf einem Kongress der Jungen Union erklärte Merkel, die Werte der AfD hätten nichts mit den Werten der CDU gemein.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von ihrer bisherigen Linie abgewichen und hat die „Alternative für Deutschland“ (AfD) direkt angegriffen. Am Beispiel der Europolitik könne man erkennen, dass die Werte der AfD nichts mit den Werten der CDU zu tun hätten, sagte Merkel am Freitagabend bei einem Kongress der Jungen Union (JU) im bayerischen Inzell.

          Deutliche Worte fand die CDU-Vorsitzende für die AfD in Brandenburg. Diese habe geglaubt, sie komme groß heraus, wenn sie einen Brief an die Linken schreibe, sagte Merkel. Darin habe gestanden, dass es eigentlich nicht schlecht gewesen sei in der DDR, auch Polizei und Kinderbetreuung hätten gut funktioniert. Sie habe die Polizisten und die Kindergärten in der DDR gesehen, sagte die Kanzlerin, die in der DDR aufgewachsen ist und zum Zeitpunkt des Mauerfalls 35 Jahre alt war. „Damit habe ich nichts, aber auch gar nichts gemein“, betonte Merkel.

          „Wir werden unserer Verantwortung gerecht“

          In ihrer Rede auf dem Deutschlandtag der Jungen Union verteidigte die Bundeskanzlerin zudem das Nein zu einer Beteiligung Deutschlands an den Luftschlägen gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Es gehe nicht nur darum, an der vordersten Spitze bei militärischem Eingreifen mit dabei zu sein, sagte Merkel. Es gehe darum, „dass wir an der Seite unserer Verbündeten stehen“. Und politisches Handeln sei genauso wichtig wie die Luftschläge. „Ich glaube jedenfalls, wir werden unserer Verantwortung gerecht.“ Sie mache sich keinerlei Vorwürfe, dass dies nicht der Fall sein könnte.

          Dem scheidenden JU-Vorsitzenden Philipp Mißfelder dankte Merkel für dessen zwölfjährige Rekordamtszeit - kritisierte ihn zugleich allerdings wegen eines früheren Ausrutschers gegen Senioren. Der heute 35 Jahre alte Mißfelder hatte einst infrage gestellt, ob ein 85 Jahre alter Mensch noch auf Kosten der Solidargemeinschaft künstliche Hüftgelenke bekommen sollte. „Du hast nach anfänglichem unglücklichen Start verstanden, dass die Generationen zusammenhalten müssen“, sagte Merkel und lobte die Jugendorganisation für ihre heutige gute Zusammenarbeit mit der Senioren Union.

          Muss weichen: Philipp Mißfelder

          Abschließend rief die Bundeskanzlerin die Generationen zum Zusammenhalt auf. Sie appellierte an die Jugend, sie solle ihr Leben selbst gestalten: „Veränderung kann zu etwas Wunderbarem führen.“ Merkel stimmte Jung und Alt aber auf kommende große Anstrengungen ein und pochte darüber hinaus auf einen höchst sensiblen Umgang mit Sterbehilfe: „Ich bin überzeugt, dass wir da eine sehr restriktive Haltung haben sollten.“

          Auf dem Kongress in Inzell wählt die Junge Union einen neuen Vorsitzenden. Um die Nachfolge von Philipp Mißfelder kämpfen mit dem stellvertretenden JU-Bundesvorsitzenden Benedict Pöttering und dem nordrhein-westfälischen JU-Chef Paul Ziemiak erstmals seit 1973 zwei CDU-Politiker. Die Junge Union ist nach eigenen Angaben mit 117.000 Mitgliedern der größte Jugendverband Europas.

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