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Zukunft der Unionsparteien : Schwache Hoffnung

Mit Turnschuhen in die Zukunft: JU-Vorsitzender Kuban (Mitte) mit den Generalsekretären Ziemiak (links) und Blume Bild: Daniel Pilar

Selbst wenn sich die Geschichte von 1998/99 wiederholte: Die Krise der Union ist viel gravierender als nach dem Machtverlust an Rot-Grün – und das nicht erst seit gestern.

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          Fast müssen CDU und CSU darauf hoffen, dass das Gespenst des strammsten Linkskurses, das der Bundestagsfraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus auf dem Deutschlandtag der JU an die Wand gemalt hat, von den künftigen Koalitionspartnern im Bund rechtzeitig zum richtigen Leben erweckt wird.

          Denn so bliebe den beiden Parteien eine zumindest theoretische Chance, in den kommenden Jahren zu retten, was noch zu retten ist: die Macht in den Ländern. So war es jedenfalls nach dem Zustandekommen des wirklich ersten (und bislang einzigen) Linksbündnisses im Bund im Jahr 1998: Das Pendel, das in der Bundestagswahl weit nach links ausgeschlagen hatte, bewegte sich bei den folgenden Landtagswahlen unter dem Eindruck von allerlei Unstimmigkeiten in Berlin schneller in die Mitte zurück, als viele nach dem Ende der Ära Kohl wahlweise befürchtet oder erhofft hatten.

          Doch selbst wenn sich Geschichte wiederholte, so könnte auch diese schwache Hoffnung trügen. Denn die Suche nach Ursachen für das desaströse Abschneiden am 26. September glich am Wochenende über weite Strecken der Beschreibung von Krisensymptomen und nicht der Suche nach den Ursachen selbst.

          Die meisten Symptome aber wie das verheerende Abschneiden unter urbanen und jungen Wählern sind nicht erst vor drei Wochen offen zu Tage getreten, sondern seit langem bekannt. Dasselbe gilt für die Erkenntnis, dass viele Wähler sich in den vergangenen Jahren nicht trotz, sondern wegen Merkel für die Union entschieden hatten.

          So liegt die Zukunft der Union auch wohl kaum darin, sich als Mittelstandsvereinigung zu gerieren, wie mache Aspiranten auf die Merkel-Nachfolge soufflieren. Wenn CDU und CSU in den kommenden Jahren vom Saarland bis nach Bayern gewählt werden wollen, dann sollten sie die Mahnung des alten CDA-Fahrensmannes Karl-Josef Laumann ernst nehmen: Wer die Lebenswirklichkeit der Leute nicht mehr kennt, die einen „normalen Job“ haben, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich das politische Koordinatensystem wirklich oder vermeintlich nach links verschiebt.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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