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Zu viel Impfstoff : Schrei vor Glück oder schick’s zurück

Spitzen mit den drei Corona-Impfstoffen von AstraZeneca, BioNTech/Pfozer und Moderna. Bild: dpa

Die Länder schicken dem Bund Unmengen des Impfstoffs von AstraZeneca zurück. Sie sehen keine Chance, dass ihn noch jemand will. Die Regierung plant, das Mittel zu exportieren – und einen Teil davon selbst zu behalten.

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          Wie sich die Corona-Zeiten ändern. Im Frühjahr ging es um die Frage, wie der knappe Impfstoff möglichst schnell unters Volk gebracht werden kann. Welche Infrastruktur nötig ist, damit die Vakzine rasch den Weg vom Zentrallager des Bundes in die Länder finden – und danach über die Impfzentren in die Oberarme der Bürger. Doch inzwischen hat der Wille zur Impfung nachgelassen, vor allem das umstrittene Mittel des Herstellers AstraZeneca liegt in den Impfzentren herum. Bei ihrer Sitzung Mitte Juni hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern daher beschlossen, dass ungenutzte Vakzine zurückgegeben werden können. Einzige Voraussetzung ist, dass die Mittel noch mindestens zwei Monate lang haltbar sind. Ein Formular des Bundesgesundheitsministeriums, in dem die Länder angeben können, wie viele Einheiten sie zurückgeben möchten, ist inzwischen in den Ländern angekommen.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Nach Recherchen der F.A.Z. wollen die Länder dem Bund mindestens 850.600 Einheiten des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca zurückschicken. Am Ende dürften es noch deutlich mehr sein. Bis zum 9. August haben die Länder Zeit, die gewünschten überzähligen Mengen an das Ministerium von Jens Spahn (CDU) zu melden – und viele konnten am Freitag noch nicht genau abschätzen, wie viel in den Impfzentren liegenbleiben wird. In Hessen geht es zum Beispiel um 170.000 bis 190.000 Einheiten. „Die ungeöffnete Mehrdosenbehälter des Impfstoffs von AstraZeneca sind bis zu sechs Monate bei zwei bis acht Grad Celsius im Kühlschrank lagerfähig“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Wiesbaden.

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