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AfD-Bundespräsidentenkandidat : Glasers Welt

Albrecht Glaser: „Die Massenimmigration bedeutet den Untergang Deutschlands und des Kontinents.“ Bild: Reuters

Ein Besuch bei Albrecht Glaser, den die Alternative für Deutschland zum Bundespräsidenten machen will. In langen, vorwurfsvollen Sätzen beschreibt er seine zum Teil abenteuerliche Weltsicht.

          Auf nasser Straße fährt ein junger Mann an einem Tag Ende Mai in der Kurve geradeaus. Der Kleinwagen rutscht die Böschung hinab und pflügt eine fünfzig Meter lange Schneise ins Feld. Dann bleibt er stecken. Ein schönes Bild: der hellblaue Wagen, das saftgrüne Feld. Von nebenan kommt der Bauer mit seinem alten Fendt und zieht den Wagen aus dem Schlamm.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Albrecht Glaser, stellvertretender Bundesvorsitzender der Alternative für Deutschland, wohnt sieben Kilometer weiter in einem Örtchen im nordhessischen Habichtswald. Im Tal stehen alte Fachwerkhäuser. Glaser aber wohnt oben. An einer Straße, die nur eine Auffahrt ist. Am eisernen Zaun, kniehoch, warnt ein Schild vor dem Hund. Ein Junge, zehn Jahre, öffnet die Tür. Hinter ihm müht sich Glasers Frau, das wuschelige Tier zu halten. Das rennt los, springt, dreht sich freudig im Kreis. Mutter und Sohn lachen. „Toller Wachhund.“ Einige Meter hinter ihnen steht Glaser.

          Er ist ein großer, hagerer Mann, 74 Jahre alt, war lange in der CDU. Früher war er auch mal Frankfurter Stadtkämmerer. Glaser legte Geld in Fonds an, die Stadt machte einen Verlust von etlichen Millionen Euro. Glaser weist noch immer jede Schuld von sich, vergleicht den Vorgang mit einem Autoverkauf: Wenn man ein funktionstüchtiges Auto verkauft, der neue Besitzer aber kein Öl nachfüllt, kann der sich auch nicht beschweren, wenn das Auto nach zwei Jahren Schrott ist.

          So ist seine Sicht der Dinge: Er hat alles richtig gemacht, die anderen nicht. Die Sicht vieler Frankfurter: Glaser hat uns fast in den Ruin getrieben. Vor vier Jahren trat Glaser aus der CDU aus. Er war einer von denen, die die AfD gründeten. Die will, dass Glaser der nächste Bundespräsident wird.

          Viele lange, vorwurfsvolle Sätze

          Er bittet ins Wohnzimmer. Ein großer, heller Raum mit modernen Möbeln und Antiquitäten. Teils Erbstücke, teils selbst erworben. Ein Frankfurter Wellenschrank, Barockkommoden, Biedermeiersessel. Glaser nimmt eine Silberkanne, schenkt grünen Tee ein und setzt sich aufs rote Ledersofa. Seine Frau schiebt Geschichtsbücher und Zeitungen auf dem Glastisch zur Seite, um Platz für die Becher zu machen.

          Das Aufnahmegerät läuft. Glaser fragt, ob er den Text vor Veröffentlichung zu sehen bekomme. Nein, bekommt er nicht. Glaser lässt sich darauf ein. Er bittet darum, nicht als Monster dargestellt zu werden, etwa indem nur jeder zehnte seiner Sätze veröffentlicht wird. Das Problem: Glaser redet sehr viel. Er hält in den nächsten Stunden eigentlich einen Vortrag über sein Leben und über das, was ihn ärgert, eine Wutrede. Viele lange, vorwurfsvolle Sätze. Nur manchmal unterbrochen von einem Hehehe oder einem Harharharhar.

          Glaser ist, gefühlt zehn Sätze später, bei der Beschreibung von sich selbst angelangt. Ihm seien sowohl Demut als auch eine „sehr große Abwesenheit von Eitelkeit“ gegeben. Er sagt: „Die Guten, die Klugen sind natürlich nicht eitel. Kluge sind nie eitel. Und umgekehrt. Der Satz ist sogar umkehrbar. Eitle sind nie klug.“

          „Nur beschränkt“ sein Verdienst

          Ansonsten sagt Glaser über sich noch, dass er neben dem juristischen Handwerk auch das wirtschaftliche beherrsche. Schließlich studierte er Rechtswissenschaft, Staatswissenschaft und Verwaltungswissenschaft. Er habe zudem Ahnung von Psychologie. Sein Bruder war Psychologieprofessor. Und er sei ein Mann des Business.

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