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AfD : Die rechten Fäden in der Hand

Journalisten immer wieder rausgeworfen

Der Einwurf, dass man genau das auch von der merkelschen Asylpolitik behaupten könne, bedeutet für den weiteren Verlauf des Abends eine Zäsur. „Bitte?“ Kubitscheks bisher eher weicher schwäbischer Dialekt wird hart und ungastlich. „Hier wird über diese Dinge mit ganz großem Respekt nachgedacht. Unser Volk hat einen sehr besonderen Weg beschritten. Hat unglaublich gelitten für diesen besonderen Weg, den es gegangen ist. Es gab noch nie ein Volk, das aufgrund eines verlorenen Krieges so zertrümmert worden ist, so bezahlt hat wie dieses Volk für diesen Krieg. Noch nie in der Weltgeschichte. Ich will, dass über dieses Volk und seinen Weg mit großem Respekt gesprochen wird“, poltert Kubitschek. Einen Vergleich zu ziehen zwischen der deutschen Orientierung am Ideal und Merkels Asylpolitik, findet Kubitschek unziemlich, ja ehrenrührig. „Es ist einfach nur eine Frage, ob man Respekt vor der Geschichte hat. Sie haben ihn anscheinend nicht! Sie sind ein befreites Individuum, das offensichtlich keine Bindungen verspürt.“

Das Gespräch steht am Rande des Abbruchs. Kubitschek droht mit Rauswurf. In seinem Haus soll über Deutschland nicht anders als in den Erhabenheitsformeln einer radikalisierten Spätromantik gesprochen werden. „Diese Sehnsucht nach dem Totalen, nach dem Risslosen, nach Etzels Saal, nach dieser Treue bis in den Tod, die eben nicht ausweicht, um weiterzuleben, sondern stehenbleibt, bis es nicht mehr geht“, auch das ist nach Kubitschek deutsch. Wer anders denkt, lernt die autoritäre Seite von Kubitscheks Persönlichkeit kennen. Den Hausherrn, der auch in der Vergangenheit schon Journalisten aus seinem Rittergut geworfen hat und sie als „arme und glücklich lebende BRD-Würstchen“ verhöhnt, als Leute, die „keinen grundsätzlichen Respekt haben können“ und denen „ihr kleines Ich und ihre Bindungslosigkeit und ihre Wahlbereitschaft und Wahlmöglichkeit das Nonplusultra ist“. Ob das nicht eine autoritäre Haltung sei? „Soll ich Ihnen mal zeigen, was autoritär ist?“, fragt Kubitschek. Eine Weile geht das Gespräch noch weiter, dann verabschiedet man sich voneinander.

Nach dem Seminar ein paar Biere

Offen bleibt die Frage, wie Kubitschek sich ein künftiges Deutschland vorstellt. Vielleicht sind Worte auch nicht nötig. In seinem Lebensentwurf nimmt Kubitschek seine Vision schon vorweg. Die altgermanischen Namen seiner Kinder etwa, die Idee der Selbstversorgung, die Beschwörung der Gemeinschaft auf dem Land und seine Verachtung der anonymen Gesellschaft der Städte. Das Siezen der eigenen Ehefrau als Umgestaltung der Gesellschaft bis tief in die Intimität der Familie hinein – hin zu einem ständischen Bewusstsein. Die Frage ist, wie das politische System eines solchen Deutschlands aussähe. Die pluralistische Parteiendemokratie des Grundgesetzes dürfte Kubitschek ebenso wenig im Sinn haben wie sein Idol Carl Schmitt, der geheime Wahlen für eine Gefährdung des Staates durch „völlige Privatisierung“ des einheitlichen Volkswillens hielt.

Nachts sitzen in der Dorfkneipe von Schnellroda junge Rechte und trinken Bier. Es sind Teilnehmer eines Seminars des „Instituts für Staatspolitik“, das den Tag über auf Kubitscheks Rittergut stattgefunden hat. Institutsleiter Erik Lehnert erklärt, man habe den Nachwuchs in „Guerrilla Marketing“ geschult. Die Teilnehmer seien junge Leute der „IB“, der völkischen „Identitären Bewegung“ gewesen, sowie „AfD-Anwärter“. Nach dem Einzug der AfD in den Magdeburger Landtag mit 24,3 Prozent „haben die jetzt eine Berufsperspektive“. Händeringend suche die Fraktion nach Mitarbeitern. „Fuffzig Mann“ brauche die AfD, hatte Kubitschek am Nachmittag gesagt. Nach ihrem Wahlerfolg habe die AfD nun „sehr, sehr viele lukrative Stellen zu vergeben“. Etwa für junge AfD-Anwärter aus Schnellroda. Das wäre genau jene Entwicklung, vor der Bernd Lucke gewarnt hatte und die auch dem als gemäßigt geltenden AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen nicht gefallen dürfte. Kubitschek sagt, dass Meuthen und er mit Blick auf die Gesellschaft sicherlich „unterschiedliche Entwürfe“ verfolgten. „Aber die Wegstrecke ist jetzt im Moment eine gemeinsame.“

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