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Zschäpe und ihre Anwältin : „Ich will ihr noch nicht einmal die Hand geben“

Kein Vertrauen mehr? Beate Zschäpe (r.) und ihre Pflichtverteidigerin Anja Sturm im Dezember 2014 im Gerichtssaal. Bild: dpa

Beate Zschäpe beschwert sich über die mangelnde juristische Qualifikation ihrer Verteidigerin Anja Sturm. Das Vertrauen in die Anwältin sei schwer erschüttert, sagt sie. Sturm wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

          Die Strafverteidigerin von Beate Zschäpe, Anja Sturm, hat sich mit einem Schreiben an das Oberlandesgericht München gegen die Vorwürfe ihrer Mandantin zur Wehr gesetzt. Beate Zschäpe hatte am vergangenen Mittwoch im NSU-Verfahren beantragt, ihre Anwältin zu entpflichten, da das Vertrauensverhältnis gestört sei.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          In dem Schreiben Sturms, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, weist die Anwältin die Behauptung Zschäpes zurück, sie habe Tatsachen, die nur für die interne Besprechung gedacht gewesen seien, in der Hauptverhandlung zur Sprache gebracht. Es stimme auch nicht, so Anja Sturm, dass sie „unvorbereitet“ in die Verhandlung gehe.

          Beate Zschäpe hatte in einem handschriftlichen Schreiben vom 5. Juni an das Gericht ihren Antrag auf Entpflichtung schriftlich begründet. Erst am 10. Juni habe jedoch Sturm während der Verhandlung davon erfahren, schreibt die Anwältin. In Zschäpes Antrag, der der F.A.Z. ebenfalls vorliegt, begründet die Angeklagte ihre Forderung damit, dass sie schon seit Monaten kein Vertrauen mehr in ihre Verteidigerin habe - wenn sie es je gehabt hätte, wie sie schreibt.

          Sie spricht von „Fakten“, die Sturm in die Hauptverhandlung eingebracht habe, die aber nur zur internen Verwendung gedacht seien. Das habe möglicherweise während der Verhandlung niemand bemerkt, begründe jedoch für sie den Vertrauensbruch. Weiter moniert sie den Umstand, dass Sturm angeblich wichtige Informationen nicht an die beiden anderen Strafverteidiger, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl, weiterleite. Sie beklagt sich offen über ihre Verteidigerin, die in Besprechungen kein „Nein“ akzeptiere und dann mit lauter Stimme auf sie einrede. So fühle sie sich angeblich „psychisch“ von Sturm unter Druck gesetzt, die ihr ihren Willen „aufdrängen“ wolle.

          Das Gericht berät den Antrag

          Das stark ausgeprägte Selbstbewusstsein Beate Zschäpes, das während der zurückliegenden zwei Prozessjahre nicht nur seitens der Ankläger, sondern auch von vielen Zeugen herausgestellt wurde, zeigt sich auch in der sehr herablassenden Ausdrucksweise. So schreibt sie, dass sich die Verteidigerleistung ihrer Anwältin in den zurückliegenden zwei Jahren darin erschöpft habe, „unvorbereitet“ in die Verhandlung zu gehen. Selbst sie, die keine „juristische Ausbildung“ genossen habe, könne erkennen, dass bei Sturms Zeugenbefragung die „Zielrichtung“ und der „Sinn“ fehle.

          Die Entzweiung sei so weit fortgeschritten, dass sie Sturm bei den Verhandlungsterminen noch nicht einmal mehr die Hand geben wolle. Das wiederum hätten die beiden anderen Verteidiger ihr geraten, behauptet Zschäpe, da sich das sonst „negativ“ auf die Verteidigung auswirken werde. Eine weitere Zusammenarbeit empfinde sie als „unzumutbar“. Das Vertrauen bestehe nicht mal „ansatzweise“. Es könne nicht sein, dass sie sich ihrem Anwalt gegenüber jedes Wort „dreimal“ überlegen müsse. Das Gericht muss nun über den Antrag beraten, eine Frist gibt es dazu nicht.

          Beate Zschäpe hatte schon im Juli 2014 versucht, ihre Anwälte - damals noch alle drei - zu entpflichten. Doch das Gericht wies ihren Antrag zurück. Es müssen für die Entpflichtung der Verteidiger schwerwiegende Gründe angeführt werden, die belegen, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig und irreparabel gestört ist. Die Analysen der Angeklagten Beate Zschäpe hinsichtlich der juristischen Qualifikationen ihrer Verteidigerin werden da nicht ausreichen.

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