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Zentrum über Flucht und Vertreibung : „Sichtbares Zeichen“ in Berlin

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1945: Flüchtlingszug mit vertriebenen Sudentendeutschen im Durchgangslager Wiesau Bild: picture-alliance/ dpa

Wenige Wochen nach der Einigung mit Warschau hat das Bundeskabinett den Weg für das Zentrum über Flucht und Vertreibung frei gemacht. Die Ausstellung soll im Deutschlandhaus in Berlin aufgebaut werden.

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          Nach jahrelangem Streit hat die Bundesregierung den Weg für den Aufbau eines Dokumentationszentrums über Flucht und
          Vertreibung in Berlin freigemacht. Die Ministerrunde beschloss am Mittwoch ein Konzept von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zur Errichtung des „sichtbaren Zeichens“ in Berlin, „um an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten“.

          Neumann bezeichnete den Beschluss als „herausragenden Schritt im Hinblick auf die Aufarbeitung eines schmerzlichen Teils“ der deutschen und europäischen Geschichte. Damit sei es gelungen, das bisher strittigste und empfindlichste Thema zwischen Deutschland und Polen in eine bessere Verständigung und Versöhnung zwischen beiden Ländern einzubetten, sagte Neumann. Aufgabe des „Sichtbaren Zeichen“ sei es, die Erinnerung an „das Jahrhundert der Vertreibungen“ und des mit ihm verbundenen menschlichen Leids wachzuhalten. Mehr als 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei es nun an der Zeit, an die Schicksale der Vertriebenen, darunter 12 bis 14 Millionen Deutsche, zu erinnern sowie Ursachen und Folgen aufzuarbeiten.

          „Ort des Dialogs“

          Als Standort des Vertriebenenzentrums sind zwei Etagen im Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof unweit des Potsdamer Platzes vorgesehen. Sie sollen in den nächsten Jahren für etwa 29 Millionen Euro umgebaut und eingerichtet werden. Die jährlichen Kosten werden bisher auf 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Rechtsträger wird das Deutsche Historische Museum sein.

          Bernd Neumann, Autor des Konzepts für ein Vertriebenenzentrum

          Im Mittelpunkt steht eine Dauerausstellung auf etwa 1.200 Quadratmetern zur historischen Dokumentation der Themen Flucht, Vertreibung und Integration vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart in Deutschland und Europa. Die Ausstellung wird auf der Schau „Flucht, Vertreibung und Integration“ des Bonner Hauses der Geschichte beruhen. Ein Schwerpunkt soll auf die Darstellung von Einzelschicksalen gelegt werden, welche die Geschichte verlebendigen und eine Identifikation mit den Opfern ermöglichen.

          Flucht und Vertreibung der Deutschen werden einen Hauptakzent bilden. Außerdem sind begleitende Veranstaltungen, Publikationen und Wechselausstellungen geplant. Beispielhaft wird die jahrhundertelange Geschichte deutscher Siedlungsgebiete im Osten, ihre Entwicklung und Kultur genannt. Auch ist ein Dokumentations- und Informationszentrum für wissenschaftliche Arbeiten vorgesehen. Schließlich soll das Zentrum als „Ort des Dialogs“ der Pflege internationaler Partnerschaften und generell der Verständigungspolitik der Bundesregierung dienen. Als nächster Schritt ist eine wissenschaftliche Konferenz über Flucht und Vertreibung mit internationaler Beteiligung vorgesehen.

          Auch polnische Historiker beteiligt

          Im Stiftungsrat der neuen Dokumentationsstätte sollen unter anderem Vertreter des Bundestages und der Bundesregierung arbeiten. Ferner ist eine „angemessene Gremienbeteiligung der deutschen Vertriebenen“ und anderer gesellschaftlicher Gruppen geplant. In einem wissenschaftlichen Beirat sollen auch ausländische Experten, insbesondere der europäischen Nachbarländer, mitwirken.

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