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Zentralrat der Muslime zu AfD : „Haben noch keine Antwort von Petry erhalten“

„Noch keine Antwort von Frau Petry erhalten“: der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek Bild: dpa

Der Islam gehört nicht zu Deutschland, sagt die AfD. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Deutschen Muslime, zeigt sich im FAZ.NET-Gespräch schockiert. Die Ablehnung des Islam durch die AfD sei „purer Populismus und verheerende Demagogie“.

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          Herr Mazyek, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, hat die AfD auf ihrem Parteitag entschieden. Sie haben die Partei schon davor heftig für ihre islamkritische Haltung kritisiert – hat Sie die Verabschiedung des Programms trotzdem noch schockiert? 

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Nicht wirklich. Dies war ja abzusehen, Denn auch wenn die AfD ihr Programm taktisch abgeschwächt hat, versucht es im Duktus weiter, eine islamfeindliche Stimmung in der Bevölkerung aufzugreifen und politisches Kapital daraus zu schlagen. Das ist purer Populismus und verheerende Demagogie, die mit der Angst und der Unwissenheit der Menschen spielt und versucht, unsere Gesellschaft zwischen Nicht-Muslimen und Muslimen zu spalten.

          Dagegen müssen wir als Demokraten ganz klar und eindeutig Stellung beziehen, egal ob man gläubig ist oder nicht. Das ist hochgefährlich.

          Die AfD will das Schächten von Tieren ohne Betäubung, wie es teilweise muslimische und auch jüdische Tradition ist, verbieten. Wäre ein solches Verbot überhaupt mit dem Islam vereinbar?

          Die richtige Form des Fleischverzehrs für Muslime und Juden  sieht diese Form des Schächtens in der Tat vor. Davon machen Muslime in Deutschland auch direkt oder indirekt Gebrauch; indirekt, weil auch viel Fleisch aus anderen Ländern wie z.b Belgien importiert wird. Bei uns in Deutschland ist das  Schächten von Tieren aber schon jetzt nur als sehr reglementierte Ausnahmeregelung möglich und wo der Tierschutz gewahrt werden muss. Insofern ist auch diese Aussage der AfD nur ein neuer Versuch, eine mutmaßlich archaische Handhabung zu instrumentalisieren.

          Das erinnert an dunkelste Zeiten in unserem Land, wo das schon mal gemacht worden ist. Es gibt Gerichte, die längst über diese Frage befunden haben – das Gleiche gilt im Übrigen für die Beschneidung. Das sind keine Fragen, die eine Partei regelt – und schon erst recht nicht, wenn sie sich ganz klar gegen die Verfassung richtet.

          Sie haben Frauke Petry ja zu einem Gespräch eingeladen, das sie offenbar ja annehmen will, wie am Freitag zu hören war…-

          Ist das so? Bis heute habe ich noch nichts von ihr gehört, uns liegt noch keine schriftliche Rückmeldung vor. Zumal unser Brief so verfasst war, dass wir es der AfD die Möglichkeit gaben Terminvorschläge zu machen. Ich bin in meinem Land so erzogen worden, dass auf eine schriftliche Einladung auch eine schriftliche Antwort erfolgt. Und nicht ein Zuruf über ein Interview.

          Glauben Sie, dass Frau Petry noch zusagen wird?

          Keine Ahnung, fragen Sie sie am besten selber. Im Übrigen ist ja nicht nur Frau Petry eingeladen, sondern der gesamte Vorstand der AfD. Auch das ist protokollarische Gepflogenheit in einer parlamentarischen Demokratie: Wenn man den Vorsitzenden einer Partei einlädt, heißt das nicht: Nur Du und kein anderer.

          Falls es doch zu dem Treffen kommt: Haben Sie überhaupt Hoffnung, dass Sie zu einer Art Verständigung mit der AfD kommen?

          Es ist offenkundig, dass bei der AfD ganz viel Hass und ganz viele Vorurteile im Spiel sind. Aber man soll ja trotzdem nichts unversucht lassen. Vielleicht hat dieser Hass ja auch damit zu tun, dass Frau Petry und ihr Vorstand noch nie einem Muslim gegenübersaßen und deshalb Angst vor uns haben. Oder es ist doch nur der populistische Versuch, eine Stimmung zu instrumentalisieren. Diese Frage kann man nur beantworten, wenn man sich einmal gegenüber gesessen hat. Und das würden wir gerne zumindest versuchen.

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