https://www.faz.net/-gpf-90c06

Einseitige Berichterstattung? : Zentralrat der Juden kritisiert Gaza-Reportage

  • Aktualisiert am

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster Bild: dpa

Anfang Juni hat der Zentralrat die Absetzung einer Dokumentation über Antisemitismus angeprangert. Nun kritisiert er, dass ein Bericht ausgestrahlt wurde. Wieder richten sich die Vorwürfe gegen den deutsch-französischen Sender Arte.

          Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den deutsch-französischen TV-Sender Arte zum zweiten Mal binnen weniger Monate scharf kritisiert. Zentralratspräsident Josef Schuster schrieb am Montag in einem Brief an den Sender, der FAZ.NET vorliegt, die Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ sei „von Einseitigkeit geprägt“ und unterschlage „wesentliche Informationen“ zum Verständnis des Nahost-Konflikts und der aktuellen Lage im Gaza-Streifen.

          Israel werde „als Aggressor dargestellt“ und „allein für die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage im Gaza-Streifen verantwortlich gemacht“, erklärte Schuster. In der am 22. Juli ausgestrahlten Dokumentation wird der Alltag von palästinensischen Familien begleitet, die Angehörige durch Luftangriffe der israelischen Armee verloren haben.

          Schuster verwies auf die Antisemitismus-Reportage „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, die Anfang Juni für Schlagzeilen gesorgt hatte. Arte hatte die Dokumentation wegen vermeintlicher Einseitigkeit zunächst zurückgezogen und nach öffentlicher Kritik nur mit einordnenden Untertiteln gezeigt.

          Einen ähnlichen Faktencheck regte der Zentralratspräsident nun auch für die Gaza-Dokumentation an. Der Film über den Gaza-Streifen strotze vor „Auslassungen und Falschinformationen“ und räume der israelischen Seite keine Möglichkeit ein, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Der Zentralratspräsident forderte den Sender dazu auf, die Reportage „in dieser Form“ nicht mehr zu zeigen und sie zu überarbeiten, um die „eklatanten Mängel zu beseitigen“. Arte kündigte auf Anfrage von FAZ.NET eine schriftliche Stellungnahme an.

          Weitere Themen

          Ich errede mich

          Dirk von Lowtzow erzählt : Ich errede mich

          Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat mit „Aus dem Dachsbau“ einen Roman über die eigene Verdachsung geschrieben. Der gibt sich als Wörterbuch aus, und das ist gut so.

          Der Schurke, der die Fäden zieht Video-Seite öffnen

          Filmkritik : Der Schurke, der die Fäden zieht

          Nicht viel ist über den Vize-Präsidenten des George W. Bush bekannt, außer dass Dick Cheney mehr Einfluss auf die amerikanische Politik hatte, als es einem Vize zusteht. Adam McKay hat nun satirisch sein Leben aufgerollt und überschätzt Dick Cheney dabei, findet F.A.Z.-Redakteur Bert Rebhandl.

          Wie national ist Kunst?

          Restitution : Wie national ist Kunst?

          Das Argument der „identitären Kunst“ taugt nicht als Begründung für Restitution. Denn mit dieser Denkfigur kehrt Unseliges aus der Frühzeit der Kunstgeschichte wieder.

          Topmeldungen

          Karl Lagerfeld : Der letzte Modeschöpfer

          Karl Lagerfeld, der das Erbe von Coco Chanel neu belebte, ist gestorben. Er war ein ganz anderer Typ als die selbstquälerischen Modekünstler, die sich gerade so mit ihrer Mode ausdrücken können, aber meist nicht mit ihren Worten.
          Nicht sein zielsicherster Abend: Mohamed Salah

          Champions League im Liveticker : Spektakel ohne Ertrag

          Immer noch keine Tore an der Anfield Road. Salah kommt nicht zum Zug. Klopp zeigt die Haifischzähne. Liverpool-Fans pfeifen. Die Bayern-Fans singen. Was macht Campino? Verfolgen Sie die Partie im Liveticker.
          Jean-Claude Juncker (l.) in Stuttgart, im Gespräch mit Günther Oettinger, EU-Komissar für Haushalt und Personal

          Juncker in Baden-Württemberg : Europa als „Angebot an den Rest der Welt“

          EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verschob einen Termin mit der britischen Premierministerin May, um in Stuttgart aufzutreten. Dort warnte er vor einem Kuschelkurs gegenüber Ungarns Regierungschef Orban – und dem Zerfall der EU.
          Der Vapiano-Chef Cornelius Everke während eines Interview am Dienstag in Frankfurt

          Vapiano-Chef : „Wir haben uns verzettelt“

          Miese Geschäftszahlen, Talfahrt an der Börse: Vapiano-Chef Cornelius Everke erwägt auch Filialschließungen, um die Restaurantkette wieder auf Kurs zu bringen. Und nicht nur das.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.