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Äußerung über Corona-Pandemie : Zentralrat der Juden wirft Kardinal Müller „antisemitische Chiffren“ vor

„Verantwortungslos und nicht akzeptabel“: Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden, über die Äußerungen von Kardinal Müller. Bild: KNA

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich in Manier von Verschwörungstheoretikern zur Corona-Pandemie geäußert. Der Präsident des Zentralrats der Juden verurteilt die Aussagen als „verantwortungslos“.

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          Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat Kardinal Gerhard Ludwig Müller vorgeworfen, mit seinen Äußerungen zur Corona-Pandemie „klar antisemitische Chiffren“ zu bedienen. Das sei „vor allem angesichts der derzeit aufgeheizten Stimmung verantwortungslos und nicht akzeptabel“, sagte Schuster am Dienstag gegenüber dem Internetportal „katholisch.de“.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Müller, der bis Sommer 2017 Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation war und damit eines der bedeutendsten Ämter der katholischen Kirche bekleidete, hatte in der vergangenen Woche in einem Video-Interview geäußert, die Corona-Pandemie werde dafür genutzt, um „die Menschen jetzt gleichzuschalten, einer totalen Kontrolle zu unterziehen, einen Überwachungsstaat zu etablieren“.

          In dem Gespräch mit dem in Österreich ansässigen katholischen „St. Bonifatius Institut“ äußerte er zudem die Ansicht, hinter den Maßnahmen gegen die Pandemie stünden „Leute, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen“ und von den alltäglichen Schwierigkeiten der Menschen in der Pandemie keine Ahnung hätten. Sie sähen jetzt eine Chance, „um ihre Agenda durchzusetzen“.

          In dem Interview erwähnt Müller kurz darauf die Namen des Microsoft-Gründers Bill Gates, des amerikanisch-jüdischen Investors George Soros und des Direktors des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab. „Ich möchte eigentlich nicht erschaffen und erlöst werden nach dem Bild und Gleichnis und Bild von Klaus Schwab, Bill Gates und George Soros, die nach Glasgow mit Privatjets sausen und der Masse, die großen Sparmaßnahmen und Einschränkungen auferlegen“, sagte Müller offenbar mit Blick auf die Weltklimakonferenz in der schottischen Stadt.

          Nicht die ersten Verschwörungstheorien des Bischofs

          Auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur bestätigte der 73 Jahre alte Geistliche am Montag die Echtheit des etwas mehr als zwei Minuten langen Videos, das vom „St. Bonifatius Institut“ über Twitter verbreitet wurde.

          Von der Deutschen Bischofskonferenz gab es bislang nur eine Reaktion auf Twitter durch ihren Sprecher Matthias Kopp. „Man wundert sich über diese Theorien“. Kardinal Müller spreche hier „davon gehe ich aus – als Privatperson“, schrieb Kopp.

          Es ist nicht das erste Mal, dass der frühere Regensburger Bischof Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verbreitet. Anfang 2020 hatte er einen offenen Brief des früheren vatikanischen Botschafters in den Vereinigten Staaten, Erzbischof Carlo Maria Vigano, unterzeichnet, in dem davor gewarnt wurde, die Corona-Pandemie solle genutzt werden, um eine Weltregierung zu schaffen. Müller verwahrte sich damals gegen Vorwürfe und sagte, das Schreiben sei missverstanden worden.

          Papst Franziskus hat bislang offenbar keinen Anstoß an Müllers Äußerungen genommen. Er ernannte ihn im Juni dieses Jahres zum Richter am obersten Gerichtshof der katholischen Kirche, der Apostolischen Signatur in Rom.

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