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Parallel zur „Grünen Woche“ : Zehntausende protestieren in Berlin gegen Agrarindustrie

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Mehrere tausend Bauern und Umweltaktivisten haben unter dem Motto «Wir haben es satt» in Berlin parallel zur Grünen Woche und am Rande der Agrarministerkonferenz für eine ökologischere Landwirtschaft demonstriert Bild: EPA

Bei einem großen Protestzug in Berlin trommeln Tausende gegen Riesenställe und Chemie auf den Äckern. Auch internationale Minister sehen Handlungsbedarf.

          Mehrere Tausend Menschen haben parallel zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin für eine grundlegende Wende zu mehr Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft demonstriert. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ zogen am Samstag nach Veranstalterangaben mehr als 30 000 Teilnehmer durch das Regierungsviertel. Begleitet von Dutzenden Traktoren forderten sie von der künftigen Bundesregierung ein Verbot des Unkrautgifts Glyphosat und Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel. Bei einer Agrarministerkonferenz in Berlin bekannten sich Vertreter von 69 Staaten zu einer weltweit besseren Tierhaltung.

          Auf Transparenten bei der Demonstration stand: „Kein Schwein braucht Tierfabriken“, „Wir haben’s glyphosatt“, oder „Ohne Bienen ist kein Staat zu machen“. Der Zug, zu dem 150 Bauern mit ihren Traktoren gehörten, führte auch am Bundeswirtschaftsministerium entlang, in dem die Minister tagten. „Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt“, sagte Jochen Fritz, Sprecher der 100 Organisationen, die zur Demo aufgerufen hatten. Zu den Unterstützern gehörten „Brot für die Welt“, der Tierschutzbund sowie die Umweltverbände Nabu und BUND.

          Unter dem Motto „Wir haben es satt“ zogen am Samstag nach Veranstalterangaben mehr als 30 000 Teilnehmer durch das Regierungsviertel. Bilderstrecke

          Das Demonstrationsbündnis forderte mehr Tempo beim Umsteuern hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft. Nötig seien dafür auch mehr Geld für bessere Ställe, Pflicht-Kennzeichnungen zur Haltungsform, ein Verbot besonders wichtiger Antibiotika in der Tiermast und ein fairer Agrarhandel. Exportorientierung und Landkonzentration weltweit seien zu überdenken, sagte Fritz. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: „Es gibt gute Gründe, die Dinge zu verändern: Artensterben, Grundwasserverschmutzung und Billigexporte nach Afrika.“

          Höhere Standards bei der Tierhaltung

          Die internationale Agrarministerkonferenz unterstrich das Ziel höherer Standards bei der Tierhaltung, die stärker zum Klimaschutz beitragen solle. Für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung müsse die Produktion ausgebaut werden, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) als Gastgeber. In der globalisierten Welt dürften das Tierwohl und Folgen für Umwelt und Klima aber nicht vernachlässigt werden. Die Abschlusserklärung nennt als Instrumente unter anderem verstärkte Forschung und den Erhalt von Weideflächen.

          Der Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO), José Graziano da Silva, verwies zum Beispiel auf Grassorten, die längere Dürren überstehen könnten. Waldzerstörung zum Schaffen zusätzlicher Weiden müsse vermieden werden. Für Kleinbauern sei der zunehmende Konsum tierischer Erzeugnisse „eine große Chance“. Ziel müsse eine global „ausgeglichenere Ernährung“ sein, sagte er mit Blick auf Länder mit extrem hohem und sehr niedrigem Fleischkonsum. In den Griff bekommen werden müssten auch Tierseuchen, die sich wie die aktuell in Osteuropa auftretende Afrikanische Schweinepest über Kontinente hinweg ausbreiteten.

          Schmidt betonte, Standards für den Handel sollten dazu beitragen, „dass der Wettbewerb nicht über den Preis brutal stattfindet“. Die Minister erläutern in der Abschlusserklärung, dass die Tierhaltung weltweit die Existenzgrundlage für 1,3 Milliarden oft arme und besonders gefährdete Menschen sichere.

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