https://www.faz.net/-gpf-6yad6

Zapfenstreich für Christian Wulff : Den Regenbogen überschritten

  • -Aktualisiert am

Der kommissarische Bundespräsident Horst Seehofer (CSU,l.), der zurückgetretene Christian Wulff, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU, 3.v.l.) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker Bild: dpa

Mit einem Großen Zapfenstreich hat sich der zurückgetretene Bundespräsident Wulff in den Ruhestand verabschiedet. Nahezu die Hälfte der geladenen Gäste sagte die Teilnahme ab. Begleitet wurde die Zeremonie von lautstarkem Protest.

          2 Min.

          Zehn Tage vor der Wahl seines Nachfolgers ist der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstagabend unter lautstarkem Protest von rund 250 Demonstranten mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr im Garten von Schloss Bellevue verabschiedet worden.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die Demonstranten, die sich im Tiergarten und auf der anderen Seite der Spree versammelt hatten, störten die Zeremonie mit Vuvuzelas und „Schande“-Rufen. Die Polizei schirmte die Demonstranten, die sich über das Online-Netzwerk Facebook organisiert hatten, ab, griff aber nicht ein. Große Teile des Zapfenstreiches, insbesondere Wulffs Wunschlied „Over the Rainbow“, wurden so übertönt.

          Vor der Zeremonie hatte Wulff bei einem Empfang augenzwinkernd gesagt: „Diesen Anlass hatte ich mir für das Jahr 2015 vorstellen können.“ Aber er hätte es wissen können, fügte Wulff hinzu, da er aus Niedersachsen, der „Region“ Wilhelm Buschs, komme: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“

          Bundesratspräsident Horst Seehofer, der die Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts derzeit vertretungsweise ausübt, dankte Wulff für seine Arbeit und sagte: „Sie waren ein guter Vertreter des modernen Deutschland.“

          Manche Absage sorgt für Verwunderung

          Nahezu die Hälfte der geladenen Gäste hatte ihre Teilnahme an der Zeremonie abgesagt. Unter ihnen waren seine vier noch lebenden Vorgänger, die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen in Berlin und Repräsentanten anderer Verfassungsorgane, wie der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, und die Vizepräsidenten des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Wolfgang Thierse (SPD).

          Für Verwunderung sorgte auch die Absage des Leiters des Bundespräsidialamtes, Wulffs langjährigen Vertrauten Lothar Hagebölling, und des Protokollchefs des Auswärtigen Amtes, Karl-Albrecht Wokalek, der auch für die Auslandsreisen des Staatsoberhauptes zuständig ist.

          Ernstes Gesicht: Christian Wulff lauscht dem Großen Zapfenstreich Bilderstrecke

          Erschienen waren hingegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Philipp Rösler (FDP), Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und weitere Mitglieder des Kabinetts. Nach dem Zapfenstreich trat Wulff vom Podium und schritt an der Seite seiner Gattin Bettina mit gesenktem Haupt in Richtung Schloss Bellevue. Nach kurzem Zögern applaudierten die Gäste, Wulff drehte sich um, winkte und verschwand hinter den Türen des Schlosses.

          Er war am 17. Februar zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantragt hatte, um wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung im Amt gegen ihn ermitteln zu können. Vor einem Monat war bekanntgeworden, dass Wulff sich einen Kurzurlaub von einem Unternehmer (vor)finanzieren hatte lassen.

          Weitere Themen

          Hüter der Beziehungen?

          Polens Staatspräsident Duda : Hüter der Beziehungen?

          Wenn am Montag ehemalige Auschwitz-Häftlinge gemeinsam mit ranghohen Politikern der Befreiung des Lagers gedenken, ist er Gastgeber: Andrzej Duda. Die Vorzeichen sind nicht die besten, seit Warschau mit Putin über Polens Rolle im Zweiten Weltkrieg streitet.

          Topmeldungen

          Dortmunds Erling Haaland : Das geplante Märchen mit dem Wunderknaben

          Nie hat ein Spieler fünf Tore in seinen ersten beiden Bundesligaspielen erzielt. Der 19 Jahre alte Neu-Dortmunder Erling Haaland brauchte dafür nur 57 Minuten. Eine wichtige Rolle in dessen Karriere spielt sein Vater.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.