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Neues Waffenregister : Zahl der Waffendiebstähle weniger alarmierend als angenommen

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Die Zahl der Waffendiebstähle ist nicht mit der von 2016 vergleichbar. Bild: dpa

Weil erst Ende 2017 alle Waffendiebstähle in das neue Register eingespeist wurden, kommt es zu einer statistischen Verzerrung bei der aktuellen Statistik. Die Zahlen vom vergangenen und diesem Jahr sind somit nicht vergleichbar.

          Die Zahl der zwischen Januar 2017 und Januar 2018 gestohlenen und abhandengekommenen Waffen ist offenbar geringer als zunächst angenommen. Bis Ende Januar 2018 waren 24.531 Waffen als gestohlen oder abhandengekommen im Nationalen Waffenregister gemeldet worden. Das geht aus einer Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor. Daraus haben die Grünen geschlossen, dass dies einer Steigerung um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahresreitzaum entspreche. Wie sich nun herausgestellt hat, ist ein Vergleich zwischen den beiden Zahlen aus 2017 und 2018 ist allerdings nicht möglich.

          Der Grund ist ein neues Waffenregister. Erst seit 2013 besteht ein nationales Waffenregister, in dem Daten über Besitzer und Art der Waffe, sowie die Waffenerlaubnis aller Waffenbesitzer in Deutschland zentral und digital gesammelt werden. Vorher hatten alle 550 lokalen Waffenbehörden eigene und teils analoge Register über die Waffen und deren Besitzer. Eine europäische Waffenrichtlinie hatte die zentrale, digitale Sammlung von allen EU-Mitgliedsstaaten bis spätestens Ende 2014 gefordert. Zum Ziel des gemeinsamen Registers heißt es in einem Informationsblatt des Bundesinnenministeriums „den Lebenszyklus einer Waffe vollständig abzubilden.“ Jetzt soll eine „lückenlose“ Nachverfolgung der Waffen möglich sein.

          Das nationale Waffenregister wurde bereits 2013 erstellt, die Datenbank aber erst bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres vollständig befüllt. Dadurch kam es zu statistischen Verzerrungen, in deren Folge sich die jüngsten Zahlen der Diebstähle sprunghaft erhöhten.

          Ingo Meinhard vom Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler sagte dem MDR: „Da die Behörden bis Ende letzten Jahres Zeit hatten, kommen halt diese massiven Zahlen zu Stande, die aber in einem Zeitraum von 1976 bis 2017 entstanden sind und erst heute IT-technisch umgesetzt wurden.“ Das heißt: Es befinden sich in der Statistik auch Waffen die bereits vor Jahrzehnten als gestohlen gemeldet wurden. 

          Die Zahlen von 2017 und 2018 über Waffendiebstähle lassen sich also nicht verzerrungsfrei vergleichen. Die Frage, ob die Anzahl gestohlener oder abhandengekommener Waffen tatsächlich zunimmt, lässt sich also auch erst im nächsten Jahr beantworten, wenn die Methode erstmals einheitlich sein wird.

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