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Studie zum Innenministerium : Viele frühere NSDAP-Mitglieder

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Im Bonner Dienstsitz des Bundesinnenministeriums der siebziger Jahre saßen mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder als bislang vermutet. Bild: Picture-Alliance

Im Bundesinnenministerium gab es nach dem Zweiten Weltkrieg mehr ehemalige NSADAP-Mitglieder als in anderen bislang untersuchten Ministerien. Doch nicht nur im Innenressort der Bundesrepublik war die Quote überraschend hoch.

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          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat einen Zwischenbericht zur Aufarbeitung der Geschichte seines Hauses und des DDR-Innenministeriums vorgestellt. „Es ist unsere Aufgabe, für die eigene Vergangenheit Untersuchungen anzustellen“, sagte er am Mittwoch. Nach den Untersuchungen des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und des Zentrums für historische Forschung in Potsdam waren 54 Prozent aller Mitarbeiter ab Referatsleiterebene zwischen 1949 und 1970 früher Mitglieder der NSDAP gewesen; im Juli 1961 waren es sogar 66 Prozent. Im Innenministerium der DDR waren es 14 Prozent, ein vergleichsweise geringer Wert, der aber höher als bislang vermutet ist. Er liegt auch über den Angaben der DDR-Statistiken. Rund 1100 Biographien - 290 von Beamten des Bundesinnenministeriums und etwa 800 von Mitarbeitern des DDR-Ministeriums - hatte die Forschungsgruppe ausgewertet.

          Vor elf Monaten hatte de Maizière den Startschuss zu dem Vorhaben gegeben. Für sein Haus war es ein Novum. In keinem anderen bisher untersuchten Ministerium - dem Justiz- und dem Wirtschaftsministerium sowie dem Auswärtigen Amt - arbeiteten damit in dem entsprechenden Zeitraum prozentual mehr frühere NSDAP-Mitglieder. „Wir wollen wissen, was diese ersten Zahlen qualitativ bedeuten, wie aussagekräftig sie sind“, sagte de Maizière. Es sollten die Weltanschauung und die Prägung der Beamten zur Zeit des Nationalsozialismus untersucht werden. De Maizière verwies auf die Schlüsselrolle, die die beiden Ministerien jeweils in der Nachkriegszeit nach 1949 gespielt hätten. Sie hätten die gesellschaftliche Entwicklung jeweils maßgeblich geformt.

          Das Forschungsprojekt wird in den nächsten zweieinhalb Jahren fortgesetzt werden. Es wird von einem eigens eingerichteten wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Es soll - während bisher vor allem formale Ergebnisse über die NSDAP-Mitgliedschaft vorliegen - in der Hauptstudie tiefer schürfen. Dann sollen Einzelfälle betrachtet werden, was in der Anfangsphase der Studie nur in Ansätzen gemacht worden ist. Die ersten Ergebnisse stimmten ihn optimistisch, sagte de Maizière. Zu weiteren anstehenden Fragen äußerte er die Erwartung, „dass diese klug beantwortet werden“.

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