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Ehemaliger Hassprediger : Sven Laus Verwandlung

  • -Aktualisiert am

Sven Lau im Interview Bild: Screenshot F.A.Z. Youtube/Sascha Bisley

Der frühere Salafist gibt sich geläutert. Die Haft habe ihn mehr als nur gebrochen. Bald will er sich sogar in der Prävention engagieren. Die Leute hätten ihm ja schon einmal zugehört.

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          Die Abkehr vom alten Gedankengut will Sven Lau schon durch seinen gepflegten Auftritt deutlich machen. Beim Interview mit dem Dortmunder Filmemacher Sascha Bisley trägt der ehemalige Salafisten-Prediger, der früher gerne in langen Gewändern unterwegs war, ein eng geschnittenes Hemd, Jeans und Turnschuhe. Der Bart ist gestutzt, die Haare zurückgegelt. „Man kennt mich durch nichts Positives. Ich bin als Hassprediger und Terrorhelfer durch die Medien gegangen“, sagt der 39 Jahre alte Lau zur Vorstellung. Wenig später fügt er an: „Es gibt so viele Sachen, wo ich heute denke: ‚Krass, wo war dein Verstand?‘ Ich kann mir gar nicht erklären, wie verblendet ich war und wie lange.“

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der Berufsfeuerwehrmann aus Mönchengladbach war neben Pierre Vogel zeitweilig einer der „Stars“ der deutschen Salafisten-Szene. Überregionales Aufsehen rief der Konvertit erstmals mit seinem Moscheeverein „Einladung zum Paradies“ hervor, der bis zu seiner Selbstauflösung 2011 einer der wichtigsten salafistischen Treffpunkte in Deutschland war. Und 2014 war Lau dann der Initiator der „Scharia-Polizei“: Mit einer Gruppe befreundeter Männer war Lau mehrfach in orangefarbenen Westen durch das nächtliche Wuppertal gezogen, um junge Muslime an die Regeln für ein Leben nach islamischem Recht zu erinnern. In dieser Zeit zählten die Sicherheitsbehörden „Abu Adam“, wie sich Lau nannte, schon längst nicht mehr zum friedlichen Teil der Szene.

          Tatsächlich hatte sich Lau zunehmend radikalisiert. Die Ermittler fanden heraus, dass er unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe eine Untergruppe des „Islamischen Staats“ (IS) mit Geld und Sachleistungen wie einem ausrangierten Notarztwagen unterstützt und junge Männer aus seinem Umfeld zur Ausreise in den „Heiligen Krieg“ angestiftet hatte. Zudem war Lau auch selbst für kurze Aufenthalte nach Syrien gereist. Ende Juli 2017 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu fünfeinhalb Jahren Haft. Der lange Prozess und die Haft beeindruckten Lau sehr, wie er sagt. „Mich hat das zerschmettert. Ich war nicht einfach nur gebrochen, ich war k.o.. Ich wusste weder ein noch aus“, sagt Lau nun in dem Interview. Ihm habe nicht nur der Halt seiner Familie gefehlt, schwer zu schaffen habe ihm auch gemacht, als er von seiner Frau erfuhr, seine Kinder würden seinetwegen von Mitschülern verprügelt.

          Es war der Beginn eines Wandlungsprozesses, der dann auch nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden schon so weit fortgeschritten ist, dass Lau nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe auf freien Fuß kam. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bescheinigte ihm nach Rücksprache mit Gutachtern und dem Generalbundesanwalt, er habe sich von seiner ursprünglichen radikal-islamischen Haltung „deutlich distanziert“. Doch der frühere Salafisten-Prediger muss in seiner auf fünf Jahre angesetzten Bewährungszeit strenge Auflagen erfüllen. Zudem muss er weiter am nordrhein-westfälischen „Aussteigerprogramm Islamismus“ teilnehmen, für das er sich in der Haft gemeldet hatte. 

          Eine wichtige Rolle bei der Deradikalisierung spielte für Lau das Buch „Zurück aus der Hölle. Vom Gewalttäter zum Sozialarbeiter“, das im Aussteigerprogramm als Arbeitsmaterial dient. Sascha Bisley beschreibt darin seinen eigenen Lebensweg. Er gehörte früher der rechtsextremen Szene an. Mit 19 fiel er gemeinsam mit einem seiner „Kameraden“ im Vollrausch über einen Obdachlosen her. Bisley hatte Glück, er kam mit Bewährung davon. Doch das Opfer, das ihm während der Gerichtsverhandlung vergeben hatte, starb einige Monate danach an den Spätfolgen des Angriffs. Bisley ist seit 26 Jahren straffrei. „Das habe ich früher nicht einmal eine Woche geschafft“, sagt er. „Ich bin dankbar für die Chancen, die ich bekommen und genutzt habe.“

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