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Wulffs Vertrauter : Im Innern des Amtes

  • -Aktualisiert am

Der Leiter des Bundespräsidialamtes, Lothar Hagebölling Bild: picture alliance / dpa

In einer Krisenphase wie der derzeitigen spielt der Leiter des Bundespräsidialamtes eine zentrale Rolle. Nach außen ist Lothar Hageböllig bisher kaum aufgefallen - im inneren Kreis um Wulff versucht er, Unbill von ihm abzuwenden.

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          Nach außen sichtbar wurde Lothar Hagebölling in den vergangenen drei Wochen nur einmal - als er als beamteter Dienstherr den Sprecher des Bundespräsidenten überraschend entließ. Leichtgefallen ist ihm das wohl nicht - denn er und Olaf Glaeseker waren die beiden Vertrauten Christian Wulffs, die ihn aus der Staatskanzlei in Hannover in das Bundespräsidialamt begleiteten. Dabei war Glaeseker das Gesicht nach außen - Hagebölling wirkt, seinem Temperament und preußisch geprägten Pflichtgefühl entsprechend, nach innen und still. Das gilt auch in der Krisenzeit, in der er zu den wenigen zählt, die im inneren Kreis um Wulff versuchen, Unbill von ihm abzuwenden.

          Offenbar füllt ihn die Aufgabe als protokollgemäß oberster Beamter des Bundes nicht voll aus: Er hält seine Bindungen zur niedersächsischen Heimat nicht nur, indem er seinen Wohnsitz in Braunschweig behielt und den braunschweigschen Burglöwen aus Porzellan in sein Berliner Büro mitnahm; sein Kommentar zur niedersächsischen Verfassung erschien im vergangenen März in zweiter Auflage.

          Wenige Tage später hielt er an der Technischen Universität Braunschweig seine Antrittsvorlesung als Honorarprofessor mit dem Thema „Der Bundespräsident - Staatsnotar oder staatspolitischer Libero“. Beides kommt ihm derzeit in seiner Tagesarbeit zupass. Die Deutung der niedersächsischen Verfassung wird spätestens in zwei Wochen wieder eine Rolle spielen, wenn die Oppositionsparteien im Landtag versuchen, Wulff Rechtsverstöße in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident nachzuweisen.

          In einer solchen Krisenphase spielt der Leiter des Bundespräsidialamtes eine zentrale Rolle - als Berater des Bundespräsidenten, aber auch als Bindeglied zum Kabinett, an dessen Sitzungen er „von Amts wegen“ teilnimmt. Zwei Eigenschaften werden ihm und seinem Chef, den er trotz vieler Jahre der Nähe zumindest nach außen „Herr Bundespräsident“ nennt, dienen - Loyalität und Diskretion. Zudem ist er in manchem ein Gegenbild zu seinem Chef - ein freundlicher Beamtentyp, von dem frühere Mitarbeiter auch nach Jahren noch schwärmen. Zu diesen früheren Aufgaben zählten die Leitung des Büros beim Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und die Staatssekretärsposten im Finanzministerium und in der Staatskanzlei in Hannover.

          Der 59 Jahre alte gebürtige Münsterländer ist verbindlich, wertkonservativ, gilt als integer und wird überall geschätzt. Als Moderator hatte sich der Jurist etwa bei der Gründung der Braunschweigschen Landessparkasse, bei der es um regionale Befindlichkeiten ging, bewährt, und auch in Gremien vom Fernsehrat des ZDF bis zum Aufsichtsrat eines Stahlkonzerns. Hagebölling neigt mehr zu großen Generallinien und zu Detailkenntnis denn zu praktischen Handlungsanweisungen - was er will, ist manchen auch nach einem längeren Gespräch nicht klar -, und das ist derzeit in der Umgebung des Bundespräsidenten weniger gefragt.

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