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Wulffs Rücktritt : Der tödliche Vermerk

Für Wulff war dieser Vermerk ein Stoß vor den Kopf. Er stellte eines seiner Herzensanliegen in Frage, für das er sich mit seinem vollen politischen Gewicht eingesetzt hatte: Niedersachsen zum Standort der deutschen Filmindustrie auszubauen. Im Juli 2005 hatte er eine flammende Rede vor 140 Promis aus der Filmbranche gehalten. „Das Kino ist etwas Wunderbares“, schwärmte Wulff und versprach seinen Zuhörern: „Wir Niedersachsen sind keiner der ganz ,großen‘ Filmförderer in Deutschland, aber auf dem Weg.“ Niedersachsen besichere Kredite für Filmprojekte mit Landesbürgschaften. „Hier wünsche ich mir einen konstruktiven Dialog mit den Kreditinstituten, um diese Instrumente optimal zum Nutzen der Filmwirtschaft einzusetzen“, sprach Wulff - und erntete tosenden Beifall.

David Groenewold
David Groenewold : Bild: dpa

Organisiert hatte die Party am Vorabend der Vergabe des Deutschen Filmpreises David Groenewold. Wulff sprach im exklusiven „China Club“ des Hotels Adlon, es gab Wasabi-Scampi und Champagner. Er revanchierte sich bei Groenewold, indem er dessen Filmfonds „German Film Productions“ (GFP) als leuchtendes Beispiel pries. Der Fonds hatte den Fernsehfilm „Das Wunder von Lengede“ produziert, bei den Dreharbeiten waren sich Wulff und Groenewold erstmals begegnet. Wulff machte sich im Adlon stark für die „steuerliche Entlastung der Unternehmen“; sie sei notwendig, „wenn wir den Aufschwung wollen und auch die Medienbranche hiervon profitieren soll.“ Als es in den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl im September 2005 darum ging, die Steuervorteile der Filmfonds abzuschaffen, setzte sich Wulff für eine Ausnahme ein: Wenigstens solche Fonds, die ausschließlich in Deutschland produzierten, sollten weiter von den Vorteilen profitieren. Das traf auf GFP zu. Durchsetzen konnte er sich nicht; Ende 2005 wurden die Vergünstigungen gestrichen.

„Bitte äußerste Zurückhaltung“

Groenewold musste daraufhin sein Geschäftsmodell ändern. Er kaufte mit dem Geld seines Fonds die Münchner Produktionsfirma Odeon Film. Dieses Unternehmen wiederum wurde Mehrheitsgesellschafter der neugegründeten „Get Lost Films GmbH“ mit Sitz in Hannover. Ihr Gesellschaftsvertrag wurde am 8. Dezember 2006 unterschrieben; Groenewold ist einer von vier Geschäftsführern. Wieder eilte ihm das Land Niedersachsen zu Hilfe. Nur zwölf Tage nach der Gründung sprach das Finanzministerium dem Unternehmen eine Bürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro zu. Federführend war das Finanzministerium, die Staatskanzlei wurde angehört.

Im Herbst 2007 machte Wulff mit Bettina Körner drei Tage Urlaub in einem Sylter Hotel; auch Groenewold war dort. Er buchte alle Zimmer und beglich die Rechnung mit der Kreditkarte. Wulff teilte vor zwei Wochen über seinen Anwalt mit, er habe Groenewold das Geld in bar gegeben. Dasselbe behauptet er über einen weiteren Sylt-Urlaub im Sommer 2008 in einem Appartement, den ebenfalls Groenewold organisiert und vorab bezahlt hatte.

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