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Wulff und die Presse : Der endgültige Bruch

Alle halten die Pressefreiheit hoch, auch Bundespräsident Wulff. Was aber soll die Presse tun, wenn ein Politiker, gar das Staatsoberhaupt, ihr wegen eines missliebigen Artikels mit Scheidung droht? Ihre Arbeit.

          Das Bundesverfassungsgericht erachtet die im Grundgesetz verbürgte Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit als „schlechthin konstituierend“ für die freiheitliche demokratische Staatsordnung. Auch für Bundespräsident Wulff stellt die Pressefreiheit ein so „hohes Gut“ dar, dass er in den vergangenen drei Wochen dreimal davon sprach.

          Das erste Mal tat er es in Qatar; zum zweiten Mal, als er kurz vor Weihnachten eine Erklärung in eigener Sache abgab; zuletzt gestern, nachdem Berichte über eine ausführliche Nachricht erschienen waren, die Wulff auf der Mailbox des „Bild“-Chefredakteurs Diekmann hinterlassen hat, kurz nachdem er am Golf über die Bedeutung der Pressefreiheit gesprochen hatte. Was über Wulffs Äußerungen in diesem Anruf kursiert, passt zu den öffentlichen Bekenntnissen freilich so wenig wie die Finanzierung eines Hauskaufs mittels eines rollierenden Geldmarktdarlehens zur schwäbischen Hausfrau. Es passte nur zu einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden ist.

          Auf dem Weg zum Emir

          Wie sonst sollte man sich vorstellen, dass ein Bundespräsident auf dem Weg zum Emir von Kuweit länglich mit der Mailbox des Chefredakteurs eines Boulevardblattes spricht, dabei über die Entscheidung, „Krieg (zu) führen“, räsoniert und einen Strafantrag sowie den „endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag“ androht, falls ein missliebiger Artikel über ihn, Wulff, erscheine? Um zwei Tage später wegen des Tons und des Inhalts seiner Äußerungen persönlich um Entschuldigung zu bitten? Warum das Blatt über diese wahrhaft exklusive Geschichte nicht sofort berichtete, gehört zu den Mysterien der Affäre. Diese Zurückhaltung dürfte Bundestagspräsident Lammert jedoch kaum gemeint haben, als er „die Medien“ schalt, sie hätten „Anlass zu selbstkritischer Betrachtung ihrer offensichtlich nicht nur an Aufklärung interessierten Berichterstattung“.

          Das offensichtliche Desinteresse an Aufklärung ist auch in diesem Fall vorrangig an anderer, gar höchster Stelle zu verorten. Auf dem Weg nach oben tanzen viele Politiker mit den bunten Blättern Walzer, gern auch bei zweiten Hochzeiten. Dann ist das Verhältnis noch ungebrochen. Was aber sollen „die Medien“ tun, wenn ein Politiker, sogar der Bundespräsident, ihnen später mit Scheidung droht, mit dem „endgültigen Bruch“? Ihre Arbeit, siehe ersten Satz.

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