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Wulff-Prozess : Tag der vergesslichen Zeugen

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Christian Wulff am Donnerstag im Landgericht in Hannover Bild: dpa

Die Aussage eines Personenschützers und einer Babysitterin im Prozess gegen Christian Wulff haben kaum neue Erkenntnisse gebracht. Der Vorsitzende Richter reagierte zum Teil verärgert.

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          Im Prozess gegen Christian Wulff ist am Donnerstag ein Personenschützer des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten befragt worden. Der Polizeibeamte erinnerte sich in seiner Aussage im Landgericht Hannover aber nicht mehr an Details des Oktoberfestbesuchs 2008. Ob sich Wulff und der Filmfinancier David Groenewold regelmäßig trafen, konnte er auch nicht sagen. Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow war darüber sichtlich verärgert. „Sie wissen ja, dass das ein Verfahren ist, das die Republik erregt.“ Er habe erwartet, dass sich ein Polizeibeamter auf solch ein Verfahren vorbereitet, sagte Rosenow. „So eine Vernehmung von einem Polizeibeamten habe ich noch nicht erlebt.“

          Der Zeuge hatte Wulff von 2003 bis 2009 rund zwei Wochen pro Monat als Personenschützer begleitet. An dem Oktoberfest-Wochenende wohnte der heute 50 Jahre alte Beamte im Hotel „Bayerischer Hof“ sogar im Zimmer neben der Suite des Ehepaars Wulff. Dennoch sind die Angaben, die der Beamte zu dem Wochenende machte, mehr als lückenhaft. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, dass der kleine Sohn des Ministerpräsidenten dabei gewesen war.

          Auf der Zeugenliste des vierten Verhandlungstags standen außerdem Wulffs damaliger persönlicher Fahrer sowie eine junge Frau, die im „Bayerischen Hof“ auf seinen kleinen Sohn aufgepasst hatte. Richter Rosenow fragte mehrfach danach, wie nahe sich Wulff und Groenewold gestanden hätten. Der Fahrer sagte, er sei Groenewold zwei bis drei Mal begegnet. Nach Wulffs Feier zum 40. Geburtstag hätten sich die beiden freundschaftlich voneinander verabschiedet.

          Die Babysitterin aus dem „Bayerischen Hof“ wusste nicht mehr, ob sich der prominente Politiker und der Filmfinancier duzten. „Ich habe mich um das Kind gekümmert, man will ja auch diskret sein“, sagte die Zeugin. Sie habe auf jeden Fall nur am Samstag das Baby betreut. Auf der Hotelrechnung standen Babysitterkosten in Höhe von 110 Euro, die Groenewold übernommen hatte und Wulff ihm bar zurückgezahlt haben will. Das Gericht versucht unter anderem zu klären, wie es zu dieser hohen Summe kam, und ob Wulff möglicherweise schon am Vortag ein Kindermädchen in Anspruch genommen hatte.

          Für den nächsten Prozesstag am 5. Dezember sind der Verleger Hubert Burda und seine Frau, die Schauspielerin Maria Furtwängler, als Zeugen geladen. Sie sollen auf dem Oktoberfest in einem Zelt des Caterers Käfer mit den Wulffs an einem Tisch gesessen haben. Auch die Wies'n-Begleiterin David Groenewolds wird erwartet.

          Der ehemalige Bundespräsident steht wegen des Verdachts der Vorteilsannahme vor Gericht, weil der mitangeklagte Groenewold an dem Oktoberfest-Wochenende einen Teil seiner Übernachtungskosten übernommen haben soll. Dafür soll sich Wulff für ein Projekt Groenewolds eingesetzt haben. Wulff hält den Korruptionsvorwurf für absurd und strebt einen Freispruch an.

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