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CSU in Würzburg : Wo sind die 500 Stimmen?

Ziemlich grün: Würzburg und die Mainbrücke. Bild: dpa

Die CSU verlor bei der Landtagswahl ausgerechnet Würzburg, wo sie sich doch von ihrer sanftesten Seite gezeigt hatte. Lernt die Partei aus ihren Fehlern?

          11 Min.

          Von München aus gesehen ist Würzburg ziemlich weit weg. Im Nordwesten Bayerns liegt die alte Universitätsstadt, im Maintal zwischen den fränkischen Weinbergen. Das Klima hier ist trocken und warm. Über Jahrhunderte hatten in Würzburg die Fürstbischöfe das Sagen. Sie schenkten der Stadt die barocke Pracht, die in einer Bombennacht kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs unterging. Doch die Würzburger kamen wieder auf die Beine. Manche von ihnen sagen, es seien die Bischöfe, denen sie eine gewisse Gelassenheit verdanken. Mögen da draußen die Stürme der Globalisierung toben, in Würzburg gehört, grob gesagt, nach wie vor die halbe Innenstadt der katholischen Kirche. Neben ihr und der Universität gibt es keinen Arbeitgeber, der groß genug wäre, um die Stadt bei Problemen in den Abgrund zu reißen. Und für alle Fälle ist da ja immer noch der Wein.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Den kann zurzeit vor allem die CSU vertragen. Denn sie hat in Würzburg ihr Direktmandat verloren. Ausgerechnet. Dass die Konkurrenz von den Grünen diesmal bei der Landtagswahl gefährlich werden könnte, war den Münchner CSU-Strategen klar, auch dass der eine oder andere Stimmkreis in München auf der Kippe stand. Aber in Würzburg? Hier gibt es doch Barbara Stamm, die bis zuletzt Landtagspräsidentin war. Als „soziales Gewissen der CSU“ war sie von Ministerpräsident Markus Söder so lange bearbeitet worden, bis sie sich noch einmal aufstellen ließ. Um das Direktmandat bewarb sich Oliver Jörg: Anwalt, 46 Jahre alt, Vater von drei Kindern. Als Zivi bei der Arbeiterwohlfahrt betreute er Schwerbehinderte. Auch bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Albanien hat er einst mitgemacht. Jörg hat sich Ansehen über die Parteigrenzen hinweg erworben, seit er 2008 zum ersten Mal in den Landtag eingezogen war. Der gebürtige Schwabe ist verbindlich im Umgang, bedacht im Ton. Er galt jenen in der CSU als Hoffnungsträger, die in ihrer Partei zuletzt den Sinn fürs Nachdenkliche, Menschliche vermisst hatten. Als es im Frühjahr um die Besetzung von Söders Kabinett ging, fiel auch sein Name.

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