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Politikwissenschaftler Patzelt : Zwischen den Fronten

  • -Aktualisiert am

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt im Februar 2015 auf einer Pressekonferenz an der Technischen Universität Dresden Bild: dpa

Werner Patzelt soll der Sachsen-CDU beim Wahlprogramm helfen. Seit das feststeht, ist um ihn eine Kontroverse entbrannt – die auch alte Konflikte mit der TU Dresden wieder befeuert.

          Anfang Januar hat die sächsische CDU bekanntgegeben, dass sie den Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt als Vize-Vorsitzenden für die Kommission gewinnen konnte, die das Parteiprogramm zur Landtagswahl im September ausarbeiten soll. Seitdem ist um die Personalie eine Kontroverse entbrannt, die am Wochenende in der falschen Behauptung mancher Medien gipfelte, die Technische Universität (TU) Dresden trenne sich von Patzelt.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Universität selbst stellte das am Montag richtig, allerdings unter einer Überschrift, die zeigte, wie zerschnitten das Tuch zwischen der TU und ihrem wohl bekanntesten Professor ist. „Öffentliche Stellungnahme zu den Anschuldigungen von Prof. Patzelt bezüglich einer nicht genehmigten Seniorprofessur“, titelte die Universität und stellte darin zunächst erst einmal klar, dass der 65 Jahre alte Politikwissenschaftler Ende März regulär in den Ruhestand geht. Genau genommen trennt also das deutsche Beamtenrecht Universität und Professor.

          Seniorprofessor wird Patzelt nicht

          Patzelt wiederum hatte in der für ihn zuständigen Philosophischen Fakultät einen Antrag auf eine Forschungs-Seniorprofessur gestellt, eine Möglichkeit, die es seit knapp zehn Jahren gibt und die der Universität zufolge „unvergütet und üblicherweise nicht mit Ressourcen ausgestattet ist“. Allerdings hat eine solche Professur den Vorteil, dass sich mit der Universität im Rücken wesentlich einfacher Forschungsgelder und Drittmittel einwerben lassen sowie etwas Infrastruktur – Raum, Computer, Internetanschluss – zur Verfügung steht.

          Über die Vergabe des Titels Seniorprofessor entscheidet in Dresden der Rektor auf Empfehlung der Fakultät, die darüber unter ihren Angehörigen Einverständnis herstellen muss. Letzteres aber kam nicht zustande, vielmehr wurde der Antrag nun von Fakultätsrat und Dekan, der Patzelts Ansinnen zunächst befürwortet hatte, abgelehnt.

          Zur Begründung führte die Universität an, dass Patzelt Politik und Wissenschaft „derart vermischt habe, dass dem Ruf der TUD und der Fakultät dadurch geschadet wurde“. So habe Patzelt sein privates politisches Blog, auf dem er sich harte und sehr lange politische Auseinandersetzungen mit Kollegen und Gegnern liefert, zunächst unter der Adresse der Universität und seines Instituts betrieben, sowie „nicht zutreffende Kritik“ am Rektor geübt, weil ein von Patzelt initiiertes und vom Bund finanziertes wissenschaftliches Institut nicht verwirklicht wurde.

          Die Universität sehe dagegen kein Problem darin, dass Patzelt am CDU-Wahlprogramm mitschreibt, sagte eine Sprecherin. Das sei ausdrücklich erlaubt. Unter anderem gibt es an der Universität auch einen Seniorprofessor, der die SPD im Wahlkampf unterstützt. Alles in allem bleibe eine Seniorprofessur jedoch eine Ausnahme; bislang habe die Universität Dresden 52 Seniorprofessuren vergeben.

          Patzelt begegnete der Stellungnahme am Montag mit der Frage, ob, wenn er sich als Politikwissenschaftler und politisch partizipierender Bürger nicht der politischen Praxis widmen solle, Medizin- oder Wirtschaftsprofessoren auch nicht Kranke heilen beziehungsweise Unternehmen lenken dürften. Kritik hatte es zuletzt vor allem an seiner Arbeit als Gutachter für die AfD gegeben, die Patzelt allerdings nie verheimlicht hatte.

          Gegenüber FAZ.NET sagte Patzelt, er habe nach dem Einzug der AfD in den sächsischen Landtag auf Anfrage die Fraktion in ordnungsgemäßer Oppositionsarbeit beraten und dabei auch klar darauf verwiesen, dass sich die Partei von Extremisten, Rassisten und Antisemiten trennen müsse. In zwei Gutachten für Gegner der Parteirechten habe er zudem dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke Rassismus und dem baden-württembergischen AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon Antisemitismus nachgewiesen. Darüber hinaus habe er in den neunziger Jahren für den sächsischen PDS-Reformflügel, später auch einmal für die SPD-Fraktion und oft für die CDU Analysen erstellt, was die Universität nie kritisiert habe.

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