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Erinnerung an Hitler-Attentat : Worauf es ankommt

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg mit seinen Kindern Berthold, Franz-Ludwig und Haimeran. Bild: Picture-Alliance

Am 20. Juli 1944 scheiterte das Unternehmen Walküre, der letzte Versuch, Adolf Hitler zu töten und das NS-Regime zu stürzen. Die Erinnerung an diesen Tag und Stauffenberg, den Mann der Tat, bleibt kontrovers – und damit lebendig.

          Am 20. Juli 1944 scheiterte der letzte Versuch, Adolf Hitler zu töten und das Regime zu stürzen. Zugleich leuchtet die Tat als Zeichen, für ein anderes Deutschland, das sich Hitler entgegenstellte, bereit für seine freiheitlichen Überzeugungen zu sterben. 75 Jahre später begeht Deutschland diesen Tag mit Reden, Erinnerungen und einem öffentlichen Gelöbnis junger Soldatinnen und Soldaten am Bendlerblock, einem Hauptschauplatz der Verschwörung. Das Gebäude am Landwehrkanal ist heute Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums. Für Deutschland und seine Bundeswehr ist der 20. Juli ein wesentlicher Bezugspunkt von Selbstverständnis und Tradition. Aus gutem Grund.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          „Wir haben uns vor Gott und unserem Gewissen geprüft, es muss geschehen. Denn dieser Mann ist das Böse an sich.“ So umschrieb Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg die Motive der Männer und Frauen des 20. Julis 1944. Hitler zu töten, die Verbrechen zu stoppen, den Krieg zu beenden und einen Rechtsstaat zu errichten. Darin waren die rund zweihundert an der Verschwörung unmittelbar Beteiligten einig, bei allen politischen Unterschieden. Am Ende konzentrierte sich ihre Hoffnung auf den Mann, der im Namen aller die Tat wagen wollte: Stauffenberg.

          Am frühen Morgen des 20. Julis, es war grau und schwül, verließen Stauffenberg und sein Bruder die Berliner Wohnung in der Tristanstraße in Wannsee. Wenig später bestieg der Oberst ein Flugzeug. Sein Ziel war Hitlers „Wolfsschanze“ bei Rastenburg, im heutigen Polen. Der 37 Jahre alte Offizier hatte wenige Monate zuvor an der Afrikafront eine Hand, zwei Finger der anderen Hand und ein Auge verloren. Äußerlich versehrt, war er von überragender innerer Kraft.

          In seiner Aktentasche trug Stauffenberg zwei Bomben mit sich. Der Plan: Bei der Lagebesprechung im Bunker Hitler zu töten, dann in Berlin mit Hilfe der Wehrmacht bei der Operation „Walküre“ die Schaltstellen der Reichshauptstadt zu besetzen, die SS auszuschalten und das Regime zu stürzen. Der Plan scheiterte. Hitler überlebte die Explosion nahezu unverletzt. Wehrmachtseinheiten stoppten den Staatsstreich. Um Mitternacht desselben Tages wurden Stauffenberg und weitere Verschwörer im Innenhof des Bendlerblocks ermordet.

          In Sippenhaft genommen

          In den Wochen darauf folgten Hunderte Verhaftungen, Schauprozesse, Hinrichtungen. Denn der Kreis der Verschwörer war groß. Es handelte sich überwiegend um Offiziere der Wehrmacht, wie Generalmajor Henning von Tresckow oder den jungen Oberleutnant Werner von Haeften. Aber der Kreis der an den Umsturzplänen beteiligten Personen war viel breiter: Sozialdemokratische und konservative Politiker, Gewerkschafter, Diplomaten, Kirchenmänner und Kaufleute waren darunter.

          Einer der führenden Köpfe des Widerstands war der frühere Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, der die Kanzlerschaft übernehmen sollte. Hinzu kamen die oftmals mitwissenden Frauen, die in jenen Tagen und danach Charakterstärke bewiesen, als das Regime sie in Sippenhaft nahm, scharfen Verhören unterzog und ihre Kinder verschleppte.

          Worin heute die Bedeutung des Widerstandes vom 20. Juli liegt, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang der Woche so beschrieben: „Diejenigen, die gehandelt haben, sind uns Vorbild. Denn sie haben gezeigt, dass sie ihrem Gewissen folgen, und damit haben sie einen Teil der Geschichte Deutschlands geprägt, der ansonsten durch die Dunkelheit des Nationalsozialismus bestimmt war.“ Der Auftrag des 20. Julis ist wieder aktueller als in mancher Zeit zuvor.

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