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Wolfgang Schneiderhan : Mittler zwischen Politik und Truppe

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Mit seinen 63 Jahren war Schneiderhan der dienstälteste Generalinspekteur der Bundeswehr Bild: AFP

Als Deutschlands ranghöchster Soldat war Schneiderhan bei der Truppe beliebt wegen seiner unprätentiösen Art und federführend bei der Umstrukturierung der Bundeswehr. Jung würdigte ihn als stets loyalen Berater.

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          Deutschlands ranghöchster Soldat ist von seinem Amt als Generalinspekteur der Bundeswehr entbunden worden. Wolfgang Schneiderhan übernahm am Donnerstag die Verantwortung für offensichtliche Informationspannen, die es nach dem von der Bundeswehr angeforderten Bombardement zweier Tanklastzüge in Afghanistan im September gegeben hat.

          Der gebürtige Oberschwabe Schneiderhan begann seine Soldatenlaufbahn nach dem Abitur 1966. Nachdem er reichlich Erfahrung bei der Truppe gesammelt und sich auch guten Einblick in das Verteidigungsministerium sowie die Nato-Bürokratie verschafft hatte, stieg er seit 1998 unter dem damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) rasch auf. Er wurde mit der Aufgabe betraut, die Umstrukturierung der Bundeswehr umzusetzen. Dabei bewies er Fingerspitzengefühl, indem er sich mit öffentlichen Äußerungen zurückhielt. In der Truppe war er bis zuletzt wegen seiner unprätentiösen, selbstironischen Art beliebt.

          Kommandogewalt über die Auslandsmissionen

          Scharping berief den Generalleutnant Schneiderhan im November 2001 zum Generalinspekteur der Bundeswehr. Im Juni 2002 wurde er zum General befördert. Sein Amt wurde kurz danach im Zuge der Reform der Bundeswehr aufgewertet. Seit 1956 gilt der Generalinspekteur in erster Linie als Berater der Regierung und als Mittler zwischen Politik und Truppe. Schon Schneiderhans Vorgänger Harald Kujat hatte den neu geschaffenen Einsatzrat geleitet und damit die Bundeswehr-Einsätze im Ausland koordiniert. Schneiderhan erhielt 2002 zusätzlich die Kommandogewalt über die Auslandsmissionen.

          Unter Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), zu dem er ein kollegiales Verhältnis pflegte, baute Schneiderhan die Bundeswehr weiter um. Struck und Schneiderhan setzten dabei auf ein fundamental gewandeltes Sicherheitsverständnis, weil sich Gewalt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in weltweitem Maßstab entstaatlicht habe. Symbolhaft dafür steht Strucks Ausspruch, Deutschland werde künftig auch am Hindukusch verteidigt.

          Verfechter der Wehrpflicht

          Zentrale Herausforderung wurden für Schneiderhan die zunehmenden Auslandseinsätze bei zeitweise schrumpfendem Etat. Derzeit sind rund 7.000 Soldaten im Auslandseinsatz. Die 2004 verabschiedete Strukturreform der Bundeswehr sieht eine Verringerung der Truppe von 290.000 auf 252.000 bis 2010 vor. Die Zahl der Standorte soll gleichzeitig von 572 auf 392 reduziert werden. Geschaffen wurden außerdem drei neue Einsatzkategorien mit gemischten Verbänden für Einsätze, für Stabilisierungsmaßnahmen in Krisenregionen und zur Unterstützung im Inland, wozu auch Katastropheneinsätze zählen. Schneiderhan ist auch Verfechter der Wehrpflicht. Eine weitere Verkürzung der zurzeit neunmonatigen Dienstpflicht lehnte er ab.

          Nun zieht der Vier-Sterne-General Konsequenzen aus den Informationspannen nach dem Luftangriff in Kundus, und räumt seinen Stuhl. Er war der dienstälteste Generalinspekteur seit Einführung des Amtes 1957. Mitte vergangenen Jahres hatte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) noch entschieden, Schneiderhan nicht wie für Generale üblich mit 62 Jahren in den Ruhestand gehen zu lassen, und seine Amtszeit bis Mitte 2010 verlängert. Jung würdigte ihn als stets loyalen und überaus kompetenten Berater.

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