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Schäuble über Weizsäcker : Er ist immer unser Präsident geblieben

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Richard von Weizsäcker, der so sehr über den Parteien und über der Parteipolitik zu stehen schien, war auch Parteipolitiker.

Er war Christdemokrat, Bundestagsabgeordneter.

Als nach dem Rücktritt von Rainer Barzel 1973 ein neuer Fraktionsvorsitzender in der CDU/CSU zu wählen war, war er der Hoffnungsträger vieler von uns Jüngeren,so wie Helmut Kohl, der damals Parteivorsitzender wurde.

Es war die Zeit nicht nur der großen Debatten um die Ost- und Deutschland-Politik, sondern auch der Neubesinnung der Union nach ihrem Abschied aus der Regierungsverantwortung 1969 und angesichts der enormen Veränderungen in der Welt wie in der Gesellschaft, von der Entspannungspolitik über den in den ersten beiden Jahrzehnten der Nachkriegszeit aufgestauten Reformbedarf, der in die 68er-Turbulenzen mündete, bis zur Perversion des RAF-Terrorismus in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre.

Richard von Weizsäcker leitete die Grundsatzkommission der CDU,
die für die weitere Entwicklung dieser großen Volkspartei der Mitte bestimmend wurde. Seine Gabe, ein freiheitlich verfasstes Gebilde, bei allen auseinander strebenden Interessen und Verschiedenheiten, zusammen zu halten und ihm Richtung zu geben, hat sich schon damals bewährt.

Diese Gabe bewährte sich dann in der Zeit als Regierender Bürgermeister so sehr, dass sich viele Berlin gar nicht mehr ohne ihn vorstellen mochten,
als er Bundespräsident wurde. Er hat diese Enttäuschung mancher in Berlin vielfältig wettgemacht.

Und so konnte er ein von allen geachtetes Staatsoberhaupt sein: unabhängig, unparteiisch, oftmals unbequem, aber immer eben respektiert.

Deswegen ist es kein Gegensatz: das Engagement für unsere Demokratie
in und durch eine politische Partei und zugleich Unparteilichkeit, Unabhängigkeit.

Das alles ist Richard von Weizsäckers großartiger Persönlichkeit geschuldet. Im eigenen Standpunkt festgegründet, waren ihm andere Meinungen, Anderssein, nie Bedrohung, sondern Bereicherung.

So hat er gewirkt, als Bundespräsident und danach.

Wir haben in Deutschland auch in den letzten Jahren nicht immer die richtigen Worte gefunden, wenn wir unsere Geschichte und unseren Weg in die Zukunft zu klären versuchten. „Normalisierung“ war so ein unglückliches Wort. Denn was ist „normal“? Umso dankbarer können wir Richard von Weizsäcker sein, dass er unserem Land geholfen hat, seinen Weg zu finden, ohne dabei missverstanden werden zu können.

Man muss manchmal schon nachdenken, wann Richard von Weizsäcker eigentlich aus dem Amt geschieden ist. Eigentlich ist er immer unser Präsident geblieben, und er hat dabei keinem seiner Amtsnachfolger etwas weggenommen. Im Gegenteil.

Autorität und Zuwendung – Richard von Weizsäcker konnte nicht nur unserem Land, er konnte auch Einzelnen viel vermitteln.
Seine Bildung war eben auch Herzensbildung. Ich habe es selbst erlebt, wie er sich einem zugewandt hat, wenn es einem nicht so gut ging.

Diese große Persönlichkeit – weit über alle gut formulierten Gedanken in seinen Reden hinaus –, ist am Ende vielleicht der wahre Grund,
warum Richard von Weizsäcker so sehr helfen konnte, uns Deutsche mit uns und die Welt mit Deutschland zu versöhnen. Das wird bleiben. Das werden wir ihm nie vergessen!

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