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Vor Parteitag in Braunschweig : Gedeon erklärt Kandidatur für AfD-Vorsitz

  • Aktualisiert am

Wolfgang Gedeon im November im Landtag in Stuttgart Bild: dpa

Der umstrittene Landtagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, Wolfgang Gedeon, wirft dem Parteivorstand die Manipulation des Meinungskampfs in der Partei vor. Alice Weidel plant derweil Regierungsbündnisse mit der CDU.

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          Kurz vor dem Bundesparteitag der AfD in Braunschweig hat nun auch der parteiintern umstrittene baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben. Das teilte er am Donnerstag auf der entsprechenden Online-Seite der AfD mit. Dort attackierte er auch den Bundesvorstand: Es sei skandalös, wenn dieser versuche, durch Parteiausschlussverfahren den innerparteilichen Meinungskampf zu seinen Gunsten zu steuern, schrieb er.

          Ende Oktober war ein Parteiausschlussverfahren gegen den wegen Antisemitismusvorwürfen vorbelasteten Landtagsabgeordneten abermals gescheitert. Der baden-württembergische Landesvorstand hatte ebenfalls schon den Parteiausschluss gegen Gedeon angestrebt – das Landesschiedsgericht im Südwesten wies den Antrag aber unter Verweis auf formale Gründe zurück. Gedeon selbst weist die Antisemitismus-Vorwürfe zurück. Er sitzt derzeit als fraktionsloser Abgeordneter im Parlament und löst mit seinen Redebeiträgen immer wieder Empörung aus.

          Die AfD will auf ihrem zweitägigen Parteitag, der am Samstag beginnt, einen neuen Bundesvorstand wählen. Als aussichtsreiche Kandidaten für die zwei Ko-Vorsitzenden-Posten gelten der aktuelle Vorsitzende Jörg Meuthen und der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Das Feld der Bewerber ist in den vergangenen Tagen aber noch einmal unübersichtlicher geworden. Vor allem der Berliner Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio hat die Planungen für den Bundesparteitag mit seiner Kandidatur noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt.

          Als chancenreiche Kandidatinnen gelten auch die niedersächsische Landeschefin Dana Guth und die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst. Der Ko-Vorsitzende und Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland will nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erst auf dem Parteitag entscheiden, ob er abermals antritt.

          Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, schaut derweil in die Zukunft der Partei. Regierungsbündnisse zwischen ihrer Partei und der CDU seien nur eine Frage der Zeit, sagte sie der „Rheinischen Post“. „Manche Gebietsverbände der CDU wollen mit der AfD zusammenarbeiten, der informelle Austausch zwischen AfD und CDU läuft da doch längst“, so Weidel. Dies gelte für den Osten insgesamt. „Vor Ort sind die Leute im Austausch“, sagte sie demnach. Wenn die CDU-Parteiführung das von oben herab verbieten wolle, zeige das, wie weit weg sie von der Realität sei. „Die CDU im Osten ist teilweise deutlich weiter als man in Berlin glaubt. Das können sie nicht mehr aufhalten.“ Die CDU hatte im Dezember 2018 auf ihrem Parteitag in Hamburg zum wiederholten Mal beschlossen, „Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit“ sowohl mit der Linkspartei als auch mit der AfD abzulehnen.

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