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Wolfgang Drexler im Gespräch : „Dass ich nicht jedem die Hand gebe, hat mit Haltung zu tun“

  • -Aktualisiert am

Will auch besprechen, was die AfD außerhalb des Parlamentsgebäudes von sich gibt: Wolfgang Drexler, SPD-Vizepräsident des Landtages von Baden-Württemberg Bild: dpa

Der SPD-Politiker Drexler erhält Morddrohungen, wohl weil er der AfD-Abgeordneten Baum den Handschlag verweigert hat. Im FAZ.NET-Gespräch verrät er, ob ihm solche Drohungen Angst machen und ärgert sich über die brave Parlamentssprache.

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          Herr Drexler, stehen Sie nach der Morddrohung unter Polizeischutz?

          Der Staatsschutz überlegt sich das gerade. Die Polizei konnte den Urheber der Morddrohung noch nicht ausfindig machen, weil der Provider der Mailadresse offenbar in den Vereinigten Staaten steht.

          Machen Ihnen solche Drohungen Angst?

          Ja, vor allem, wenn sie gegen Familienmitglieder gehen. Ich persönlich bin da schon etwas abgehärtet, früher wurde mir auch schon gedroht. Nur einmal konnte man die Täter ausfindig machen. Das war in den achtziger Jahren.

          Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz meinte, es dürfe keine keine Scheu geben, Probleme in Sachen Integration und innere Sicherheit zu benennen, man müsse sich den Inhalten der AfD stellen. Teilen Sie seine Meinung?

          Probleme in Sachen Integration und innere Sicherheit müssen selbstverständlich klar benannt werden. Das Problem ist hier doch ein anderes. Entweder ich verlasse mich darauf, was die AfD-Politiker im Parlament sagen und vergesse, was sie außerhalb des Parlaments von sich geben. Oder ich benenne, was Sache ist und die AfD auf ihren Veranstaltungen und in den sozialen Medien erzählen. Dass sich die Politik wie in der 68er-Bewegung verhalte und eine Meinungsdiktatur vorherrsche.

          Es geht nicht, dass jemand aus der AfD Baden-Württemberg das Abfackeln einer Flüchtlingsunterkunft mit zivilem Ungehorsam in Verbindung bringt und der Geschäftsführer diese Aussage dann mit „Als Bayer drückt man sich da halt deftiger aus“ quittiert. Es ist auch unmöglich zu sagen, dass es „keine Rolle spielt, ob ein Flüchtling an der griechischen oder deutschen Grenze abgeschossen“ wird. Wir müssen die Tatsachen ins Parlament bringen und nicht brav die Parlamentssprache sprechen – was die Leute der AfD übrigens sehr gut können.

          Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagt, man solle aufhören, sich dauernd über die AfD zu empören. Ein Teil der AfD sei rechtsradikal, ein Teil nicht. Werden Sie dem weniger radikalen Teil die Hand schütteln?

          Denjenigen, welche keine Aussagen wie Frau Baum von sich geben, werde ich die Hand geben. Menschen wie AfD-Stadtrat Heinrich Fiechtner, der den Koran mit „Mein Kampf“ vergleicht und am 15. April ein Foto von Hitler auf Facebook gestellt und ihn als „größten Deutschen Politiker“ bezeichnet hat, gebe ich keinen Handschlag – selbst wenn er dies dann im Nachhinein als Satire zu rechtfertigen versuchte. Wenn wir anfangen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ist das der falsche Weg. Dass ich nicht jedem die Hand reiche, hat mit Haltung zu tun.

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