https://www.faz.net/-gpf-8koc9

Bundestagswahl 2017 : Bosbach möchte nicht mehr

  • Aktualisiert am

Talkshow-König: Wolfgang Bosbach. Bild: dpa

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach möchte nicht mehr kandidieren. Dass sich der populäre Querdenker aus der Politik zurückzieht, hat verschiedene Gründe. Einer ist seine Partei, für die er noch bis zum kommenden Jahr im Bundestag sitzen wird.

          Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zieht sich im Herbst 2017 aus der Politik zurück. „Heute Abend habe ich meinen CDU-Kreisverband darüber informiert, dass ich 2017 für eine erneute Kandidatur für den Deutschen Bundestag nicht zur Verfügung stehe“, sagte Bosbach gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Mit Ablauf dieser Wahlperiode werde ich meine politische Arbeit endgültig beenden.“ Für diese Entscheidung gebe es nicht nur einen Grund, sondern ein ganzes Bündel von Gründen – „sowohl politische als auch sehr persönliche“, so Bosbach.

          „In einigen wichtigen politischen Fragen kann ich die Haltung meiner Partei nicht mehr mit der Überzeugung vertreten, wie ich sie gerne vertreten würde – und wie ich sie auch vertreten müsste, falls ich noch einmal für die CDU für den Bundestag kandieren würde“, sagte Bosbach. Alle denkbaren Alternativen seien für ihn nicht in Frage gekommen, erklärte der Bundestagsabgeordnete am Dienstagmorgen in einem Interview mit der Bild-Zeitung. „Wenn man merkt, dass die Kraft nachlässt, muss man sich gut überlegen, wofür man sie noch aufwendet. Und ich möchte sie nicht dafür aufwenden, gegen meine eigene Partei zu argumentieren und gegen meine eigene Partei anzutreten.“

          Bosbach hatte die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung in den vergangenen Jahren mehrfach scharf kritisiert und eine Abkehr von der Vergabe der Hilfskredite an angeschlagene Euro-Länder gefordert. Aus Protest hatte er vor einem Jahr seinen langjährigen Posten als Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestags abgegeben. In den vergangenen Monaten stellte sich Bosbach zudem öffentlich gegen die Flüchtlingspolitik Merkels und zog ihre Aussage "Wir schaffen das" in Zweifel. Er warnte etwa vor einer Überforderung Deutschlands und forderte eine Kurskorrektur der CDU nach rechts.

          Querdenker, Abweichler, zeitweise Innenministerkandidat

          In der CDU wurde Bosbachs Entscheidung mit Bedauern aufgenommen. Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Armin Laschet sagte dem „Kölner Stadtanzeiger“: „Dem Bundestag wird er fehlen. Als Freund wird er bleiben.“ Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer, würdigte Bosbach als verlässlichen, integren, fleißigen und kompetenten Politiker. „Er hat wie kaum ein anderer Parlamentarier in den letzten beiden Jahrzehnten die Innenpolitik der CDU/CSU geprägt und verkörpert“, sagte Mayer dem Blatt.

          Als Abgeordneter des Rheinisch-Bergischen Kreises sitzt Bosbach seit 1994 im Bundestag, bis 2009 war er Vizechef der Unionsfraktion. Vor allem als Innenpolitikexperte machte er von sich reden. Zeitweise wurde er sogar als Ministerkandidat gehandelt. Bosbach erläuterte in dem Interview mit der Bild, er habe sich durchaus Hoffnungen auf ein Ministeramt gemacht und die seien auch „nicht unberechtigt“ gewesen. Als sich Angela Merkel gegen ihn als Innenminister entschied, habe er sich gesagt „Du wirst hier nichts mehr!“ – was aber für ihn in Ordnung gewesen sei.

          Bosbach galt er immer auch als Querdenker und Abweichler. Der populäre Politiker, der häufig in Talkshows zu Gast ist, genießt dennoch breite Sympathien. Der Vater von drei erwachsenen Töchtern ist seit Jahren unheilbar an Krebs erkrankt.

          Weitere Themen

          Kamera filmt zufällig Explosion Video-Seite öffnen

          Sri Lanka : Kamera filmt zufällig Explosion

          Bilder einer Kamera an Bord eines Autos zeigen einen der Anschläge in Sri Lanka: Die Kamera nahm zufällig die Explosion an der St.-Antonius-Kirche in Colombo auf. Bei den Anschlägen mutmaßlicher Islamisten wurden hunderte Menschen getötet oder verletzt.

          Was bisher bekannt ist Video-Seite öffnen

          Anschläge in Sri Lanka : Was bisher bekannt ist

          Nach den verheerenden Anschlägen in Sri Lanka macht die Regierung eine einheimische Islamistengruppe für die Bluttaten verantwortlich. Es wird geprüft, ob die Gruppe Unterstützung aus dem Ausland hatte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.