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Ahmadiyya in Deutschland : Liberal, offen – wertkonservativ

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Aus dieser Stellung der Frau leite sich jedoch auch ab, dass die Mutter noch vor dem Vater den meisten Respekt genießen müsse. Wenn der Mann aus dem Haus sei, trage die Frau auch die volle Verantwortung. Wie also könne man da noch argumentieren, dass der Islam Frauen nicht achte? Frauen, die keine Mütter sind, finden in dieser Argumentation allerdings keinen Platz.

Wertschätzung der Frau

Khola Maryam Hübsch übersetzt diesen Anspruch in den deutschen Kontext so: „Oft geht es um die Frage, wie man Familien wirtschaftskompatibel machen kann. Dabei sollte es mehr um die Frage gehen, wie man die Wirtschaft familienkompatibel machen kann.“

Häufig würden Entscheidungen nur vor dem Hintergrund der Karriere getroffen, besonders dann, wenn es um Kinder geht. Sie sieht in der Pflicht des Mannes, die Familie zu versorgen, eine Wahlfreiheit der Frau, bei ihren Kindern bleiben zu können. „Mittlerweile ist es teils unmöglich geworden, ohne zwei Einkommen eine Familie zu ernähren. Es ist dann ein Privileg, daheim bleiben zu können“. Hübsch kämpfe auch um die Aufwertung der Pflegearbeit, die ohnehin auch in der deutschen Gesellschaft mehrheitlich von Frauen erledigt wird. Diese Forderung hat sie gemein mit Feministinnen, die ebenfalls fordern, der von Frauen erbrachten und häufig als selbstverständlich betrachteten Arbeit mehr Respekt zu zollen. Hübsch sieht diese Aufwertung im Islam.

Und was ist mit Frauen, die keine Mütter sind? Oder Männern, die gern Elternzeit nehmen würden? „Wenn keine Kinder da sind, ist das überhaupt kein Thema, dann sind beide berufstätig“, sagt Hübsch. Und es gebe auch Männer, die Elternzeit nähmen. Aber die Mutter-Kind-Beziehung sei eben doch etwas ganz Besonderes.

Wie hängen Islam und Extremismus zusammen?

Geprägt ist die Veranstaltung aber noch von einer anderen Debatte, um die man nicht herumkommt, auch wenn man einen friedlichen Islam vertritt. Gerade dann wird die Frage besonders wichtig: Wie hängen Islam und Extremismus zusammen?

Es ist nicht einfach damit getan zu sagen, Islam und Extremismus, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. „Extremisten beziehen sich ja gezielt auf bestimmte Verse aus dem Koran und stellen eine bestimmte Auslegung vor“, sagt Hübsch und betont: „Man muss sich genau diese Verse anschauen und eine alternative Auslegung vorstellen“. Der Vorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde Wagishauser sieht das ähnlich: „Wir müssen auch mit Radikalen in eine öffentliche Diskussion eintreten.“

Audienz beim Kalifen. Wie sieht er das mit dem Extremismus? Es sei ein Grund zur Trauer, dass sogenannte Muslime durch die Verbreitung von Hass Angst innerhalb Nicht-muslimischer Gemeinschaften schürten. Er spricht von „Gehirnwäsche“ und „Vergiftung der Gedanken“: „Sogenannte Muslime folgen nicht dem Koran, sie sind keine wahren Muslime“. Er dagegen wolle die wahre Botschaft des Islam verbreiten, nämlich Frieden. Die Botschaft der Ahmadiyya?

Ein großes Problem ist, dass es kaum eine einheitliche Auslegung des Koran gibt, die einen gemeinsamen Standpunkt verschiedener Richtungen gegen Extremismus erlaubt. Wie kann ein friedlicher Islam der unterschiedlichen Richtungen gemeinsam funktionieren?

„Wir leben vor, wie friedlicher Islam funktioniert. Und wir gewinnen immer mehr Mitglieder“, sagt der Kalif. Man ahnt es schon: Am Ende ist eben doch die Auslegung seiner Glaubensgemeinschaft die einzig Wahre.

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