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Ahmadiyya in Deutschland : Liberal, offen – wertkonservativ

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Der Vorsitzende Wagishauser betont vor allem die Offenheit der Bewegung. „Es gibt keine Tabus, nichts, was nicht diskutiert werden soll. „Wir haben keine Angst davor, uns mit diesen Dingen auseinanderzusetzen“, sagt er. Diese Dinge? Es ist nicht gerade wenig, womit sich auseinandergesetzt werden müsste. Die Ahmadiyya stehen als liberal-konservative Gruppierung, die den Islam als Religion des Friedens leben möchte, in der Verantwortung, sich auch mit islamistischem Extremismus auseinanderzusetzen. Ein lakonisches „das sind keine echten Muslime“ reicht da nicht. Immerhin wird dieser Status von vielen auch der Ahmadiyya abgesprochen. Besonders in Bezug auf Frauenrechte stehen die Ahmadis häufig in der Kritik. Das Thema steht auch auf der Versammlung im Fokus.

Strikte Geschlechtertrennung

Ein Meer aus Mützen, Kappen, traditionellen Kopfbedeckungen aus Schafsfell oder Filz, immer wieder unterbrochen von Baseballkappen: Gebannt lauschen die Männer dem Kalifen, der über Frauenrechte – und Pflichten – im Islam spricht. Auch für sie ist die Kopfbedeckung ein Muss, dies ist kein alleiniger Anspruch an Frauen. Die Rede an die Frauen wird den Männern auf einem Bildschirm übertragen. Es herrscht strikte Geschlechtertrennung, die einzigen Frauen, die zu sehen sind, sind Besucherinnen. Männer geben Frauen auch nicht die Hand.

Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad
Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad : Bild: dpa

In der Öffentlichkeit tragen die Frauen Kopftuch, in seiner Rede erinnert der Kalif die Frauen nachdrücklich daran, eine Burka zu tragen. Khola Maryam Hübsch, Mitglied bei der Ahmadiyya und Journalistin, erklärt später, damit habe der Kalif einen weiten Mantel gemeint, keine Vollverschleierung. Abdullah Wagishauser sieht das ganz eindeutig: „Die Entwicklung geht bestimmt nicht dahin, dass unsere Frauen irgendwann mal Miniröcke tragen.“

Der Bereich für Frauen ist abgetrennt, Männer haben keinen Zugang. Nur dort legen viele Frauen das Kopftuch ab. Von einer Entsagung an die Mode, wie vom Kalifen angepriesen, ist allerdings nichts zu sehen, im Gegenteil. Plötzlich ist alles bunt, das Licht bricht sich in Pailletten und Strasssteinen auf Kleidersäumen und Schals.

Immer wieder betonen die Ahmadis, wie wichtig ihnen Bildung sei. Besonders auch für Frauen. Die Ehrung der besten Absolventinnen durch den Kalifen soll Familien anspornen, ihre Kinder zu unterstützen und zu motivieren. Der Mann habe die Verantwortung für die Familie und die Pflicht, sie zu versorgen, sagt der Kalif. Frauen sollen eine gute Ausbildung genießen, Medizin biete sich zum Beispiel an. Immerhin läge es in „der Natur der Frau“, sich zu kümmern.

Arbeiten könne die Frau, wenn sie wolle – aber nur, bis sie Kinder hat. Die oberste Priorität einer Frau sollten ihre Kinder sein. Allerdings immer, wenn der Kalif betont, dass eine Frau auch arbeiten könne, führt er kurz darauf Studien an, ohne näher auf diese einzugehen. Diese sollen beispielsweise belegen, dass Kinder von arbeitenden Müttern mehr psychische Probleme haben. Kinder, deren Mütter sich nur ihnen widmeten, seien dagegen gesünder.

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