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Missbrauch in der Kirche : Woelki pocht auf Notwendigkeit eines zweiten Gutachtens

Rainer Maria Kardinal Woelki, der Erzbischof von Köln, steht unter Druck. Bild: dpa

Der Kölner Erzbischof verteidigt den Beschluss, ein erstes Gutachten zu sexuellem Missbrauch zurückzuhalten. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland mahnt: Durch Fehlverhalten werde Vertrauen in alle christlichen Kirchen verspielt.

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          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat am Wochenende die Entscheidung verteidigt, ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln einstweilen nicht zu veröffentlichen. Als Bischof brauche er „hinsichtlich aller relevanten Personen eine bestimmte qualitative und quantitative Faktenlage, die ein klares und konsequentes Veränderungshandeln dann auch nachhaltig möglich macht“, schrieb Woelki aus Anlass des Beginns der österlichen Bußzeit.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Obwohl Woelki das von ihm seit Monaten zurückgehaltene Gutachten selbst nicht zu kennen vorgibt, zeigte er sich überzeugt, dass es „eine zweite unabhängige Untersuchung braucht, um die systemischen Zusammenhänge jahrzehntelangen Missbrauchs in unserem Erzbistum aufzudecken und im Detail aufzuzeigen“. Woelki hat bei dem Kölner Strafrechtler Björn Gercke ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, das bis zum 18. März vorliegen soll.

          „Es ging und es geht mir um konsequente Aufarbeitung“

          Wenige Tage vor dem Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zeigte sich der Kardinal ähnlich reumütig wie jüngst vor einer Online-Konferenz des „Synodalen Wegs“: „Fehler habe ich sicher auch im Rahmen der Aufarbeitung der Missbrauchsvergehen sowie der damit verbundenen Krisenkommunikation gemacht“, schrieb Woelki.

          Er habe auch Schuld auf sich geladen, was ihm leid tue. Den Katholiken im Erzbistum Köln versicherte er: „Es ging und es geht mir um konsequente Aufarbeitung und dabei zuerst und zuletzt darum, dass das Leid der Betroffenen das Handeln bestimmt – und nichts anderes.“

          Der scheidende Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, gab Kardinal Woelki unterdessen zu verstehen, dass sein Handeln auch außerhalb der katholischen Kirche wahrgenommen werde. Während einer ökumenischen Andacht sagte Rekowski am Samstag in Anwesenheit des Kölner Kardinals, zwischen den Konfessionen gebe es eine „ökumenische Haftungsgemeinschaft“.

          Sieben Protest-Thesen von „Maria 2.0“

          Wenn Menschen in allen Kirchen als dem einen Leib Christi „misshandelt, missbraucht, herabgewürdigt werden, leidet darunter der ganze Körper“, so Rekowski. „Und wenn diese Verletzungen dann nicht zur Sprache kommen, keinen ausreichenden Ausdruck finden, wenn der Schmerz unterdrückt und Heilung verhindert wird, dann hat das Folgen für den ganzen Körper.“

          Die Reformbewegung „Maria 2.0“ erneuerte unterdessen ihre Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit und anderen Struktur- und Mentaltätsveränderungen in der katholischen Kirche. In sieben Thesen, die am Sonntag an zahlreichen Kirchentüren plaziert wurden, beklagte die Bewegung „eklatante Missstände in der katholischen Kirche“, darunter Klerikalismus, Machtmissbrauch und Vertuschung sexueller Gewalt. Die Deutsche Bischofskonferenz müsse endlich „den Willen zu Veränderungen durch Taten“ bezeugen.

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