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Woelki wird Erzbischof von Köln : Weil Rom es so will

Der damalige Weihbischof Woelki verabschiedete sich im August 2011 aus seinem Heimatbistum, in das er nun zurückkehrt Bild: ddp images/Timur Emek

Rainer Maria Kardinal Woelki wird Erzbischof von Köln. Der Dreiervorschlag des Domkapitels wurde in Rom übergangen. Der Vatikan erstellte eine neue Liste.

          6 Min.

          Schon mehr als ein Jahr war im Herbst 1988 vergangen seit dem Tod von Joseph Kardinal Höffner, doch der Stuhl des Erzbischofs von Köln war immer noch nicht wiederbesetzt. Dabei hatte das Kölner Domkapitel unter der Leitung von Dompropst Bernard Henrichs ganze Arbeit geleistet. Kurz nach dem Eintritt der Sedisvakanz hatte das Domkapitel im Oktober 1987 namhafte Katholiken der mitgliederstärksten Diözese in Deutschland gebeten, ihm die Namen möglicher Nachfolger zu nennen. Daraus wurde zügig eine Liste mit drei Kandidaten erstellt, die dann dem Apostolischen Nuntius übermittelt wurde. Danach hatte man sich in Geduld zu üben.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Erst viele Monate später traf die für die Wahl durch das Metropolitankapitel verbindliche Dreierliste aus dem Vatikan in Köln ein. Diese Liste machte schlimmste Befürchtungen wahr. Wie es unter Papst Johannes Paul II. üblich geworden war, entsprach die Dreierliste („Terna“) aus dem Vatikan nicht den Vorschlägen des Domkapitels, das die Geistlichkeit der Kirche am Ort repräsentiert. Die Folge: Keiner der drei Kandidaten des Vatikan erreichte innerhalb von drei Monaten die nach dem Statut des Domkapitels notwendige absolute Mehrheit. Damit war das Wahlrecht des Kapitels verwirkt. Zu spät hatte es erfahren, was die Stasi damals schon längst wusste: Papst Johannes Paul II. wollte auf Biegen und Brechen Joachim Kardinal Meisner in Köln installieren, den Bischof der damals noch geteilten Stadt Berlin.

          Was tun? Das Kapitel war gespalten. Die Falken beharrten darauf, dass der Papst nun das Recht habe, in Köln einen Apostolischen Administrator einzusetzen. Die Tauben halten dagegen, dass eine Ernennung Meisners durch den Papst ohne Wahl eine Verletzung der Rechte des Kapitels sei, die durch das Preußen-Konkordat von 1929 und damit durch Völkerrecht geschützt sind. Im Vatikan wurde 1988 sogar erwogen, im Fall des Falles den wortgewaltigen, aber reaktionären Erzbischof Johannes Dyba von Fulda nach Köln zu transferieren. Das galt es zu verhindern. Einen rechtlich nicht unumstrittenen, aber gesichtswahrenden Ausweg bot dann eine Änderung des Wahlrechts: Eine einfache Mehrheit des Domkapitels sollte nun für eine Wahl reichen. Wie sich die einfache Mehrheit im Domkapitel genau zusammensetzte, mit der Meisner im Dezember 1988 zum Erzbischof gewählt wurde, ist allerdings nie bekannt geworden.

          Es galt die Schmach zu tilgen

          Köln, Sommer 2014. Vier Monate sind vergangen, seitdem Meisner sich Ende Februar nach mehr als 25 konfliktreichen Jahren vom Amt des Erzbischofs von Köln zurückgezogen hat. Seit Jahren hatte sich das Kapitel, das seit 2004 von Dompropst Norbert Feldhoff geleitet wird, auf diesen Moment vorbereitet. Es galt, die Schmach der „Kölner Wirren“ von 1988 zu tilgen.

          Im April 2013 wird beschlossen, namhafte Katholiken zu befragen, diesmal aber nicht nach Namen, sondern nach Themen, denen sich der neue Erzbischof mit Vorrang zu stellen habe. Noch vor Ostern 2014 erstellt das Kapitel auf der Basis der Ergebnisse, die sich weitgehend mit denen einer kapitelsinternen Umfrage decken, eine Liste mit drei Kandidaten.

          Wieder ist es ganz anders gekommen. Die vatikanische Bischofskongregation hat die Liste des Domkapitels, auf der ein Domkapitular, ein aus dem Erzbistum Köln stammender Diözesanbischof und der Bischof eines Nachbarbistums stehen, abermals nicht im Einvernehmen mit Papst Franziskus bestätigt. Im Gegenteil: Auf der römischen Dreierliste findet sich abermals der Name des Kardinal-Erzbischofs von Berlin. Doch ganz wiederholt sich die Geschichte von 1988 nicht: Rainer Maria Woelki ist kein Meisner. Woelki ist Kölner von Geburt, war lange Jahre Sekretär von Kardinal Meisner, dann Leiter des Theologenkonvikts Albertinum und schließlich Weihbischof in seinem Heimatbistum. Im August 2011 wurde er in Berlin zum Nachfolger des verstorbenen Kardinals Sterzinsky gewählt.

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