https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/woelki-aussage-unter-eid-staatsanwaltschaft-ermittelt-nicht-18353810.html

F.A.Z. exklusiv : Keine Ermittlungen gegen Woelki

Rainer Maria Kardinal Woelki am 28. September 2022 bei einem Gottesdienst während der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Bild: Imago

Die Kölner Staatsanwaltschaft hält die Erklärung des Kardinals an Eides statt für glaubwürdig. Sie folgt Woelkis vormaligem „unabhängigen Gutachter“ Gercke. Ein eigenes Bild macht sie sich nicht.

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          Die Staatsanwaltschaft Köln hat es abgelehnt, gegen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer falschen Aussage an Eides statt einzuleiten. Nach der Prüfung mehrerer Anzeigen kam Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn zu dem Ergebnis, dass die Behauptung des Kardinals zutreffend sein müsse, er sei „mit dem Fall (des Missbrauchspriesters Winfried) Pilz durch das Erzbistum Köln erst in der 4. Juni-Woche befasst worden“.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der Deutschlandfunk und die Zeit-Beilage „Christ und Welt“ hatten vor einigen Wochen ein Schreiben öffentlich gemacht, in dem die Büroleiterin des Kardinals unter dem Datum des 6. Mais 2022 bei einem Betroffenen anfragte, ob dieser Ende Juni zu einem Gespräch in das Erzbischöfliche Haus nach Köln kommen könne.

          Aus der Formulierung „Der Herr Kardinal bat mich, bei Ihnen anzufragen“ schlossen die Verfasser der Beiträge, dass Woelki, anders als in Eidesstattlichen Versicherungen am 4. und 12. August dargestellt, schon Anfang Mai von Missbrauchstaten des Priesters Pilz erfahren habe. Auf der Grundlage dieser Berichte gingen bei der Kölner Staatsanwaltschaft mehrere Anzeigen gegen Woelki ein.

          Die Kölner Justiz verwarf nun „auf der Grundlage der in einem auf Objektivität angelegten staatsanwaltschaftlichen Vorprüfungsverfahren anzulegenden Maßstäbe“ die journalistischen Schlussfolgerungen und erkannte auf „mangelnde inhaltliche Konsistenz“.

          Willuhn hielt hingegen nach Informationen der F.A.Z. die Darlegung des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke für glaubhaft, wonach die Formulierung „Der Herr Kardinal bat mich …“ mitnichten darauf schließen lasse, dass Woelki schon im Mai persönlich mit dem Fall Pilz befasst gewesen sei.

          Es handele sich, so der Rechtsbeistand Woelkis gegenüber der Staatsanwaltschaft, bei Darstellung der Journalisten vielmehr um einen Tatbestand, der an „falsche Verdächtigung“ grenze, da „offensichtlich sei“, dass die Büroleiterin das Schreiben „in Eigenregie versendet habe“.

          Gercke war im Herbst 2020 vom Erzbistum Köln gebeten worden, anstelle der Münchner Kanzlei WSW ein „Unabhängiges Gutachten“ über den Umgang mit Fällen sexueller Gewalt zu erarbeiten. Erhebliche Pflichtverletzungen Woelkis hatte Gercke in dem im März 2021 vorgestellten Gutachten nicht feststellen können.

          Ihrerseits hielt es die Kölner Staatsanwaltschaft nach Informationen der F.A.Z. nicht für angebracht, sich ein eigenes Bild der Vorgänge in Woelkis Umfeld zu machen, sei es durch eine Befragung der Büroleiterin, sei es durch die Anforderung der einschlägigen Akten zum Fall Pilz.

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