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Corona-Krise : Katastrophe bewältigt, Amt erledigt?

Zum Einsatz: Eingangsbereich zur Bunkeranlage des BBK Bild: Edgar Schoepal

Ausgerechnet in der Corona-Krise blieb es um die oberste Katastrophenschutzbehörde erstaunlich ruhig. Denn sie hat nur wenige Kompetenzen. Nun muss das Amt um seine Zukunft bangen.

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          Die Aufgabe von Christoph Unger ist es, das Schlimmste zu erwarten und das Beste zu hoffen. Er und seine rund 400 Mitarbeiter müssen dunkle und dunkelste Szenarien entwickeln, damit sie im besten Fall nicht eintreten, oder wenn doch, sie zumindest beherrschbar bleiben. Unger ist Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und damit Deutschlands oberster Unglücksmanager. Nur hatte er ausgerechnet in den vergangenen Wochen und Monaten, während der Ausnahmesituation der Corona-Krise, nicht viel zu tun. Das BBK ist zwar ein an Fachwissen reich gespicktes Haus. Beim Bevölkerungsschutz stehe es an der Spitze der Bewegung, heißt es. Doch weiß es nicht wohin mit seiner Kraft. Es erstellt Handlungsempfehlungen für die Länder, was die aber damit machen, ist ihre Sache. In der Corona-Krise hatte es den Ländern eine Art Muster-Lagebild angeboten, mit dem sie hätten arbeiten können. Die Länder lehnten dankend ab. Das Amt hat auch keinen ständigen Vertreter im Corona-Krisenstab, der von Bundesinnenministerium, dem das BBK untersteht, und Bundesgesundheitsministerium gebildet wurde.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Das Amt, das für Katastrophen zuständig ist, hatte in der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, wie die Kanzlerin die Corona-Krise nannte, nichts zu sagen. Das liegt an der Verteilung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern. Der Bund – und damit das BBK – kümmert sich, wenn Deutschland angegriffen wird und sich verteidigen muss, die Länder um alle nichtkriegerischen Katastrophen. Das BBK kommt in einer Pandemie nur zum Zug, wenn die Länder den Katastrophenfall ausrufen und das BBK um Hilfe bitten. Bis auf Bayern hat aber kein Land den Corona-Katastrophenfall ausgerufen. Aber selbst Bayern wollte keine Hilfe aus dem Amt in Bonn.

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