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Fridays for Future : Die Profis sind da

Der Schülerstreik für das Klima bekommt immer mehr Unterstützung. Nun haben sich auch Tausende Wissenschaftler hinter die Schüler gestellt. Bild: AFP

Mit der Übergabe einer Petition haben sich am Freitag offiziell 23.000 Wissenschaftler hinter die Streikenden gestellt. Die Bewegung braucht die Schützenhilfe dringend – aber auch die Forscher profitieren von den Jugendlichen.

          Fragt man die Aktivisten von Fridays for Future (FFF) nach ihren Forderungen, sind sie nach drei Sätzen fertig. Den Kohleausstieg bis spätestens 2030, nicht wie von der Bundesregierung vorgesehen bis frühestens 2035, nennen die Schüler zuerst. Dann kommt das Pariser Klimaabkommen mit der Vereinbarung, die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad zu begrenzen. Der dritte Satz variiert, je nachdem, wen man fragt. „Fliegen muss teurer werden“, sagt Luisa Neubauer, das Gesicht der deutschen Klimabewegung, etwa.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Sarah Obertreis

          Mehr und konkretere Wünsche lassen sich die Aktivisten nicht entlocken. Details tun für die Bewegung nichts zur Sache, erklärt der 18 Jahre alte Jakob Blasel, Mitinitiator der deutschen FFF-Proteste. Die Aktivisten nutzen ihr Kindsein als Argument dafür, dass sie keine differenzierten Forderungen brauchen. Sie sagen, darum sollten sich die Wissenschaftler und Politiker kümmern.

          Zumindest Erstere sind nun auf der Seite der Jugendlichen. Am Dienstag präsentierte sich die neu gegründete Gruppierung „Scientists for Future“ gemeinsam mit FFF-Vertretern bei der Bundespressekonferenz, am Freitag übergaben sie ihnen bei der Demonstration in Berlin ihre Stellungnahme, die innerhalb weniger Tage von 23.000 Wissenschaftlern unterschrieben wurde. Darin fordern sie die Regierung auf, die Anstrengungen zum Klimaschutz zu steigern und die Forderungen der Schüler zu unterstützen.

          In der Stellungnahme schlagen sie Maßnahmen wie wirksame CO2-Preise, die Einstellung von Sub­ven­tionen für klimaschädliche Handlungen und Produkte, Effizienzvorschriften und soziale Innovationen vor. Zu den Unterzeichnern gehören nicht nur Klimaforscher, sondern auch Ärzte und Meeresbiologen.

          „Die Schüler haben Recht“

          Die Forscher nehmen die Proteste der Schüler ernst, anders als die Politiker, an die sich FFF in erster Linie richtet. Denn Umweltministerin Svenja Schulze nennt „Fridays for Future“ zwar einen Weckruf zur rechten Zeit, und ihr Ministerium bestätigt auf Anfrage, dass die Sorge der Schüler um das Klima ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig verteidigt sie aber den Kohlekompromiss.

          Andere Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierten entweder „gönnerhaft lobend“ oder „gönnerhaft abwertend“ auf die Proteste, wie es die Soziologie-Professorin Doris Bühler-Niederberger von der Universität Wuppertal formuliert. Sie sagt, es sei die übliche Reaktion auf Anliegen von Kindern. Am Wochenende hatte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner mit Blick auf die Schülerproteste getwittert, das Erreichen der Klimaziele sei eine Sache für „Profis“.

          Gemeinsame Bundespressekonferenz (von links): Arzt Eckhart von Hirschhausen, Aktivistin Luisa Neubauer, Klimaforscher Volker Quaschning, Aktivist Jakob Blasel und Wissenschaftlerin Maja Göpel.

          Die Unterstützung von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin und seinen Kollegen kommt da gelegen. „Hier sind wir, die Profis“, sagt Quaschning, der die Initiative mit vorgestellt hat. „Und wir sagen: Die Schüler haben Recht.“ Dass das Engagement der Schüler von den Politikern verniedlicht werde, habe man so nicht stehen lassen wollen. „Je mehr man über die Auswirkungen des Klimawandels liest, desto gruseliger wird es.“

          Forscher und Schüler profitieren dabei gegenseitig voneinander. Denn viele Wissenschaftler suchen schon lange nach einem Weg, sich zu engagieren, erklärt Quaschning. Aber bislang habe es kaum Aufmerksamkeit für die Erderwärmung gegeben. Bei Klimaschutzmaßnahmen fehle das unmittelbare Ergebnis, weil sie oft mit Verboten einhergehen, ließen sich bislang keine Wahlkämpfe mit ihm gewinnen.

          Die Kinder helfen der Wissenschaft nun dabei, ein so abstraktes und scheinbar weit entferntes Problem wie den Klimawandel in ein Narrativ zu verpacken. Denn schmelzende Polkappen und hungernde Eisbären sind weit weg und stumm, die wütenden Jugendlichen auf dem Marktplatz sind nah und laut. Außerdem geht von den Kinder eine Kraft aus, die Soziologen wie Bühler-Niederberger „Macht der Unschuld“ nennen. Kinder gelten als unvoreingenommen und authentisch. Sie hatten noch keine Zeit, um etwas so Schlimmes wie den Klimawandel zu verursachen. Ihre Opferrolle ist keine Inszenierung. Sie ist echt.

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