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Rückkehr in die Politik? : Guttenberg und sein Verhältnis zu Merkel

Karl-Theodor zu Guttenberg bekam 2010 noch Applaus auf dem CDU-Parteitag. Bild: Wolfgang Rattay

Karl-Theodor zu Guttenberg hat noch immer einen guten Draht zur Kanzlerin. Das wurde im Zuge der Wirecard-Affäre deutlich. Arbeitet der frühere Verteidigungsminister an seiner Rückkehr oder hat er sich endgültig die Finger verbrannt?

          8 Min.

          Am 3. September vorigen Jahres war er wieder einmal da. Die normalste Sache der Welt. Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kam ins Bundeskanzleramt, weil er einen Termin mit der Chefin hatte. Angela Merkel empfing den einstigen Publikumsliebling zum „persönlichen Gespräch“, wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte. Guttenberg, der als Finanz-, Wirtschafts- und IT-Berater unterwegs ist, hatte Merkel gebeten, sich in Peking für die Übernahme des chinesischen Unternehmens „AllScore Financial“ durch das deutsche Dax-Unternehmen Wirecard einzusetzen. Merkel tat es. Wie es ausging, weiß man.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Soweit bekannt, war damals weder dem Kanzleramt noch dem Bundesfinanzministerium oder den für die Prüfung des Unternehmens zuständigen Institutionen das Ausmaß des Fehlverhaltens bei Wirecard klar. Guttenbergs Beratungsfirma „Spitzberg Partners“ mit Hauptsitz in New York unterstützte Wirecard von 2016 an beratend. Als die Geschäftspraktiken von Wirecard in den vorigen Wochen öffentlich wurden, zeigte Guttenberg sich via „Bild“-Zeitung „entsetzt und schockiert“. Sein Unternehmen habe zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von „etwaigen Diskrepanzen in der Bilanzierung“ gehabt. Jemand, der ihn verteidigt, nennt es unfair, Guttenbergs Engagement von damals mit dem Wissen von heute zu kritisieren. Mit der F.A.Z. über die ganze Sache sprechen wollte Guttenberg nicht.

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