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Kommentar zu Trump-Besuch : In schwieriger Mission

Zwei, die gegensätzlicher nicht sein könnten: der amerikanische Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: AFP

Kanzlerin Merkel reist nach Washington. Ihr Treffen mit Donald  Trump ist voller Unwägbarkeiten. Wird sie dennoch einen Draht zu dem Gegner des Freihandels finden?

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          Angesichts mancher Äußerungen zum Besuch der Kanzlerin in Washington hat man fast den Eindruck, es handele sich um eine Visite in Feindesland und nicht bei einem der engsten Verbündeten der Bundesrepublik. Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten auch unter Präsident Trump ein Partner der Deutschen, ohne dessen Engagement sich die großen Herausforderungen, denen die Welt und damit auch die von Krisen geschüttelten Europäer gegenüberstehen, nicht meistern lassen. Doch genau das ist seit dem 20. Januar die Frage: Welche Rolle will Amerika künftig in der Welt spielen? Und was bedeutet es für uns, wenn die westliche Schlüsselmacht den Rückzug antritt und einen antifreihändlerischen Kurs einschlägt? Gewiss nichts Gutes.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Donald Trump hat in den vergangenen Wochen vieles gesagt, was diesseits des Atlantiks nicht gerade bejubelt wurde. Die ersten Handlungen im Amt waren nicht geeignet, die Zweifel an Trump und an der Professionalität seiner Berater zu entkräften. Nach wie vor ist nicht ersichtlich, wer im Weißen Haus das Sagen hat. Daran ändern auch die täglichen Twitter-Botschaften des Präsidenten nichts, dessen egomane Unberechenbarkeit das komplette Gegenteil ist von Merkels Stil. Wenn es ihr gelänge, einen Draht zu Trump zu finden, der sie bekanntlich unflätig kritisiert hatte, und ein belastbares Arbeitsverhältnis herzustellen, wäre das keine Kleinigkeit. Unmittelbar nach Trumps Amtsantritt hatte ihn wiederum Merkel an den westlichen Wertekanon erinnert – sie wurde in den Stand der Gegenanführerin erhoben. Das mag schmeichelhaft sein, eine Herausforderin kann die Kanzlerin nicht sein, auch weil damit die Zerrissenheit der atlantischen Gemeinschaft offenkundig wäre. Die Aufgabe der Kanzlerin besteht vielmehr darin, auch diesen Präsidenten, in Zeiten großer Unsicherheit, vom Nutzen multilateraler Zusammenarbeit zu überzeugen und davon, dass die amerikanische Außenpolitik, was Europa anbetrifft, ein Erfolg war. Das gilt auch für Amerikas Patronage der europäischen Einigung.

          Keine Frage: Trump verkörpert einen Bruch mit der Vergangenheit. Mehr denn je werden deshalb Deutsche und alle anderen Europäer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Doch wäre es gut, wenn Amerika an diesem Schicksal weiter Anteil nähme und politisch mit uns verbunden bliebe. Merkel muss Überzeugungsarbeit leisten – und sie kann durchaus etwas anbieten.

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